Hunger – der verborgene Feind des Bienenvolkes in den Wintermonaten
Februar – ein kritischer Monat im Leben der Bienenvölker
Mit dem Beginn des Februars werden die Tage spürbar länger und die Sonne gewinnt nach und nach an Kraft. In dieser Zeit machen wir uns um unsere Bienen oft mehr Sorgen als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt. Zu den versteckten Gefahren zählt vor allem Futtermangel, der zum Verhungern und damit zum Verlust des gesamten Bienenvolkes führen kann. Schauen wir uns zunächst an, wie das Winterleben wilder Bienenvölker in der Natur aussieht.
Wie überlebt ein wildes Bienenvolk den Winter?
Stellen wir uns wilde Bienen vor, die in einem ausgehöhlten Baumstamm am Rand eines tiefen Waldes auf natürliche Weise leben. Dieser schmale, hohe Hohlraum ermöglicht es der Wintertraube, sich nach und nach nach oben zu bewegen. Die Bienen folgen dabei ganz natürlich den über ihnen eingelagerten Vorräten. So bleibt die Wintertraube kontinuierlich mit dem Futter in Kontakt – und es kommt nicht zum Verhungern.
Winter in modernen Beuten – wie sieht es bei Ihren Bienen aus?
Bienenbeuten, insbesondere die verbreiteten Beuten im Langstroth-Maß, sind in der Regel eher horizontal ausgelegt. Sie werden nicht stark in die Höhe gebaut – was aus praktischer Sicht selbstverständlich nachvollziehbar ist. Genau hier liegt jedoch ein zentrales Problem: Bienen überwintern als Traube, die sich natürlicherweise vertikal nach oben in Richtung der Futtervorräte verlagert. In der Standardbeute können jedoch die Oberträger der Rähmchen diese Bewegung der Traube bremsen. Die Wintertraube wird dadurch gezwungen, sich seitlich „breit zu machen“, um an die über die gesamte Breite verteilten Vorräte zu gelangen. (Brenner, 1969)
In frostigen Nächten zieht sich die Traube eng ins Zentrum zusammen, und die Randbienen können innerhalb kurzer Zeit den Kontakt zum Futter verlieren. Bei anhaltender Kälte kann die Traube nicht rechtzeitig reagieren; die Bienen erreichen die Futterkränze an den Wabenrändern nicht – und es entsteht die paradoxe Situation, dass Bienen nur wenige Zentimeter von reichlichen Honigvorräten entfernt verhungern.
Vorbeugen ist entscheidend – Winterkontrolle des Bienenvolkes
Um solchen Situationen vorzubeugen, sollte der Futterstand während der Überwinterung regelmäßig kontrolliert werden. Stellen Sie bei der Kontrolle Futtermangel fest, ist sofortiges Handeln nötig. Die Ursachen können unterschiedlich sein, etwa ein schwächerer Ableger, Ungenauigkeiten bei der Herbstfütterung oder typische Anfängerfehler. Die Ursachenanalyse kann später erfolgen – jetzt zählt vor allem schnelles, richtiges Eingreifen.
Wie füttert man Bienenvölker im Winter richtig zu?
Nach Empfehlungen erfahrener Imkerinnen und Imker sowie der Fachliteratur ist flüssiges Futter (Sirup) im Winter nicht geeignet. Am besten bewährt haben sich Futterteig (Honig-Zucker-Teig) oder eine spezielle Imker-Fondantmasse, die bei Fachhändlern erhältlich ist. Eine fertige Teigplatte wird einfach auf die Oberträger der Rähmchen gelegt – so stehen den Bienen die notwendigen Reserven unmittelbar zur Verfügung.
Die Bedeutung von Wasser für das Überleben des Bienenvolkes im Winter
Eine ausreichende Wasserversorgung ist ein weiterer, oft unterschätzter Faktor für eine erfolgreiche Überwinterung. Wie der Imkerpionier L. L. Langstroth beschreibt, ist das durch die Atmung der Bienen freigesetzte Wasser für den Verbrauch nicht geeignet – es ist praktisch destilliert und hat den Stoffwechsel der Biene bereits durchlaufen. Der erfahrene Imker Sollenberger (2014) gibt einen praktischen Tipp: Man kann auf die Oberträger einen normalen Küchenschwamm legen, der mit sauberem Wasser getränkt und in einen verschlossenen Plastikbeutel gegeben wird. In den oberen Teil des Beutels schneidet man anschließend ein X, klappt die Ränder leicht auf und schafft so ein einfaches Wasserreservoir für durstige Bienen.
Amerikanische Notlösung zur Rettungsfütterung
So ungewöhnlich oder wenig „fachlich“ diese Maßnahme wirken mag: Der bekannte amerikanische Imkereiexperte Jerry Hayes empfiehlt in Extremfällen sogar eine Notmethode – den Einsatz von süßen Schaumbonbons (Marshmallows). Diese werden in ein Rähmchen eingesetzt, das anstelle eines bereits verbrauchten Futterrahmens mit einem Gitter (z. B. Netzgewebe) versehen ist. Auch wenn es ungewohnt klingt, soll diese Lösung besonders in akuter Not funktionieren – als Überbrückung, bis eine reguläre Zufütterung möglich ist.
Die goldene Regel für das Überwintern des Bienenvolkes
Zum Schluss erinnern wir an eine goldene Regel, deren Einhaltung entscheidend für das Überleben des Bienenvolkes im Winter ist: Der Brutraum muss stets dauerhaft mit den Futtervorräten in Kontakt stehen – sowohl vertikal als auch horizontal. Wer diese Grundregel beachtet, verhindert viele unangenehme Überraschungen und sorgt dafür, dass die Bienen gesund und stark in den Frühling starten.




































































































































































































