Bewertung des Bienenvolkes

Für eine umfassende und erfolgreiche Imkerei, ob nun zur Freude und den Ergebnissen des Imkers oder zur Entwicklung und dem Wohlbefinden des Bienenvolkes, ist eine regelmäßige Bewertung der Bienenvölker sehr empfehlenswert. In diesem Beitrag erfahren Sie hierzu grundlegende Informationen.

In unserem Gebiet lebt vorwiegend die Kärntner Biene (Apis mellifera carnica). Obwohl diese eine weit verbreitete Unterart ist und man möglicherweise davon ausgeht, dass sich alle Völker gleich verhalten, ist tatsächlich das Gegenteil richtig. Damit der Imker in jeder Situation möglichst gut über den Umgang mit seinen Bienenvölkern entscheiden kann, muss er schnell und präzise deren Zustand einschätzen können. Diese Tätigkeit bezeichnet man als "Bewertung des Bienenvolkes".

Wie genau diese Bewertung gehandhabt wird, liegt in der Verantwortung des Imkers. Man kann Notizen im Tagebuch machen, Kreidezeichnungen auf der Bienenkiste vornehmen oder sich die Beobachtungen einfach merken. Bei der Beurteilung konzentrieren sich Imker hauptsächlich auf folgende Eigenschaften:

Sanftmut, Stechlust oder Aggressivität

Es ist vermutlich nicht nötig, diese Merkmale allzu ausführlich zu erklären: Einige Bienenvölker erlauben eine Kontrolle sogar ohne Imkerhut, während andere ohne Rauchgerät und gute Schutzkleidung besser nicht inspiziert werden sollten.

Ein optimales Verhalten ist hierbei irgendwo zwischen extremer Aggression und völliger Apathie angesiedelt. Starke Aggression verhindert den meisten Imkern die Arbeit, Apathie wiederum reduziert den Honigertrag und erschwert die Verteidigung des Bienenstocks gegen Parasiten und Räuber. Bedenken Sie zudem, dass eine gewisse Verteidigungsbereitschaft der Bienenvölker notwendig und auch gesund ist. Ein paar Stiche sind für den Menschen sogar gesundheitsfördernd, solange er keine Allergie besitzt (doch welcher Imker wäre schon allergisch?).

Ganz ohne Eingriffe würden Bienen schnell verwildern, und Aggressivität würde steigen - deshalb sollten sie etwas unter Kontrolle gehalten werden. Weil die Einschätzung des idealen Zustandes immer subjektiv ist, empfehlen wir auch, Verhalten anderer Bienenvölker – zum Beispiel bei befreundeten Imkern - zu beobachten.

Honigertrag und Leistungsfähigkeit

Der Honigertrag gehört zu den wichtigsten Kritieren für Imker. Er reflektiert den Fleiß und die Fitness des jeweiligen Bienenschwarms und hängt wesentlich zusammen mit genetischer Veranlagung, Standortbedingungen sowie Wetterbedingungen. Ein einfaches Mittel zur Bewertung ist die Führung genauer Aufzeichnungen über die Honigernte der einzelnen Bienenvölker, beispielsweise in Kilogramm.

Die Ergebnisse bezüglich Produkten sollten je nach Fokus gesondert beurteilt werden. Es gibt Völker, die vorrangig Honig produzieren, während andere mehr auf die Gewinnung von Gelée Royale, Bienenwachs oder Pollen ausgerichtet sind. Hier spielt dementsprechend der Ertrag anderer Produkte eine weniger wichtige Rolle.

Putztrieb – Hygiene im Bienenvolk

Wie beim Menschen gilt: Hygiene ist die halbe Gesundheit. Als Indikator kann der Imker beispielweise das rasche Entfernen toter Bienen beobachten. Dies repräsentiert gut die Fähigkeit eines Volkes, seinen Stock hygienisch sauber zu halten, und bildet zugleich die Grundlage einer gesunden und vitalen Völkerentwicklung.

Sollte man rascher Erkenntnisse benötigen, ohne lange auf den natürlichen Tod einzelner Bienen zu warten, hilft die so genannte Nadelmethode: Es werden in begrenztem Maße verdeckelte Bienenlarven getötet (durch Nadelstich) und anschließend beobachtet, wie schnell die Bienen anschließend diese sterblichen Überreste entfernen und säubern.

Schwarmtrieb

War früher das häufige Schwärmen der Bienen erwünscht, um neue Völker zu gründen, so wird heute ein hoher Schwarmtrieb meistens negativ beurteilt. Besonders gilt dies, wenn der Schwarmtrieb spontan auftritt.

Zur Einschätzung der Schwarmneigung dienen primär das Auftreten und Eierlegen (Bestiften) in Schwarmzellen. Wichtig ist, die eventuellen Fehler seitens des Imkers zu dokumentieren, die möglicherweise auf direkte Weise das Schwärmen ausgelöst haben. Ein so verursachter Schwarmtrieb sollte nicht als spontan gelten.

Am besten wird die Schwarmneigung mit Noten bewertet, ähnlich wie in der Schule.

Wabensitz – Verhalten bei der Durchsicht

Der Wabensitz (bzw. Unruhe auf den Waben) ist im Verhalten verwandt mit der Stechlust. Öffnet man die Beuten (Bienenkisten), können zwei extreme Reaktionsmuster auftreten: Im einen Fall reagieren die Bienen kaum oder gar nicht auf den Eingriff, im anderen laufen sie unverzüglich wild auf den Waben umher. Der "richtige Zustand" hierbei ist subjektiv zu beurteilen, empfehlenswert ist jedoch eher ein ruhiges Verhalten.

Die Bewertung erfolgt ebenfalls bevorzugt in Notenform.

Frühlingsentwicklung

Der Frühjahrsaufbau der Bienen ist entscheidend für ihre weitere Entwicklung im Imkerjahr. Das Verhalten hierbei kann dynamisch oder eher vorsichtig zurückhaltend sein. Letzteres ist in kühleren Klimazonen und bei unsicherer Witterung vorteilhaft. Ein dynamischer Start kann dagegen entscheidend sein, falls der Imker möglichst früh zuverlässige Honigerträge benötigt, jedoch stellt dieser zugleich hohe Anforderungen an das Volk.

Diese Eigenschaft bewertet der Imker eher subjektiv durch Noten oder objektiv durch Beobachtung des Verhältnisses zwischen verdeckelter Brutfläche und Zeit.

Stärke des Bienenvolkes

Auch die Volksstärke wird während der Bienensaison durch regelmäßige Einschätzung beurteilt. Diese kann sich von Frühjahr bis Herbst verändern, idealerweise wachsen.

Die Kriterien hierzu bestimmt der Imker frei nach persönlichen Vorlieben. Manche Imker bevorzugen stärkere, zahlreich besetzte Völker, andere wiederum schätzen schwächere Standvölker mit höherer Langlebigkeit.

Eine Beurteilung erfolgt wiederum durch qualifizierte Schätzung.

Brutkurve

Nicht zuletzt sollte jeder verantwortungsvolle Imker die Brutentwicklung aufmerksam verfolgen. Dies umfasst die Eilege-Leistung der Bienenkönigin über spezifische Zeitabschnitte hinweg, unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie Jahreszeit, Volksstärke, Trachtsituation und Alter der Königin.

Bei der Bewertung dieser Brutkurven reicht die Prioritätensetzung und Betrachtungsweise des individuellen Imkers. Plötzliche Veränderungen im Brutverhalten könnten Hinweise auf Probleme sein, beispielsweise Futtermangel oder Königinnenprobleme. Erfahrung und Fachkenntnis sind hier besonders wertvoll.