Der Löwenzahn in der Welt der Imkerei

Wenn wir das Wort "Löwenzahn" hören, denken viele von uns an die kleine gelbe Blume mit dem typischen hohlen Stängel, aus dem weißer Milchsaft austritt. Und wer kennt nicht die charakteristischen weißen Pusteblumen, deren Samen schon ein leichter Windstoß bis zu acht Kilometer weit tragen kann! Doch der Löwenzahn ist nicht nur eine gewöhnliche Pflanze, die auf Wiesen und in Gärten wächst und oft als Unkraut betrachtet wird. Viele werden überrascht sein, welche bedeutende Rolle und welchen Nutzen diese Pflanze in der Imkerei spielt.

Der Gewöhnliche Löwenzahn, auch als Taraxacum officinale bekannt, ist für Bienen ein wahrer Schatz. Seine Blüten sind eine reiche Quelle an Pollen und Nektar und stellen dadurch eine wichtige Nahrungsquelle für unsere geflügelten Helfer dar. Imker schätzen den frischen, im Frühling gewonnenen Löwenzahnhonig sehr, der durch seine goldgelbe Farbe und sein feines Aroma besticht. Neben der Förderung der Bienenpopulation bringt der Löwenzahn auch gesundheitliche Vorteile für den Menschen mit sich.

Junge Löwenzahnblätter enthalten reichlich Vitamin A, B und C sowie Eisen und Kalium und eignen sich hervorragend für Salate. Die Wurzeln, die sich nach gründlichem Waschen und Schneiden auch für Suppen eignen, verfügen zudem über wertvolles Inulin, das insbesondere für Diabetiker von Vorteil ist. Früher war der Löwenzahn weniger geschätzt, doch die bekannte Kräuterexpertin Maria Treben empfahl eine Frühjahrs-Kur mit Löwenzahnstängeln zur Entgiftung von Leber, Niere und Galle. Unsere Vorfahren glaubten sogar, dass die Samen des Löwenzahns, im Amulett getragen, Kraft und Mut verleihen können, während Tee aus den Blättern die Weissagungsgabe stärkt.

In unserer Zeit, in der wir die Bedeutung von ökologischem Bewusstsein und Naturschutz immer deutlicher wahrnehmen, lohnt es sich zu erinnern, dass auch oft übersehene Pflanzen eine wichtige Rolle für das Ökosystem und die Bienenhaltung spielen können. Der Löwenzahn ist ein perfektes Beispiel dafür.

Der Löwenzahn in der Bienenzucht: Eine unschätzbare Quelle für Nektar und Pollen

Bienen und der Löwenzahn profitieren voneinander. Besonders im zeitigen Frühjahr ist der Gewöhnliche Löwenzahn (Taraxacum officinale) eine der wichtigsten Nektarquellen. Auf großflächigen Wiesen können sortenreine Honige mit kräftig gelber Farbe, schneller Kristallisation und einer feinen, leicht bitteren Note entstehen. Diese Honigsorten zählen häufig zur ersten Frühjahrsernte. Auch der reichliche orangefarbene Pollen des Löwenzahns ist für das Bienenvolk von großer Bedeutung. Von manchen als Unkraut angesehen, bietet der Löwenzahn anderen eine wertvolle Weide für Bienen und ist ein typisches Element in ländlichen Bauerngärten, wo er sich harmonisch mit Gänseblümchen und Ehrenpreis vermischt. Nicht jedes Landhaus braucht schließlich einen perfekt gepflegten Golfrasen.

Es ist jedoch zu beachten, dass "Löwenzahn" nicht immer gleichbedeutend ist. So ist beispielsweise die früher als Herbstlöwenzahn bekannte Art heute wissenschaftlich unter dem Namen Gewöhnlicher Herbstlöwenzahn (Scorzoneroides autumnalis) geläufig. Diese ausdauernde Pflanze, 10–30 cm hoch, ist auf trockenen bis mäßig feuchten Wiesen, Weiden, Stadtparks und Waldrändern verbreitet. Ihre gelben Blüten liefern weniger Nektar, bieten Bienen jedoch hochwertigen orangefarbenen Pollen, was besonders für die Überwinterungsgeneration wichtig ist.

In manchen Gärtnereien findet man ebenfalls eine Neuheit: den "Rosa Löwenzahn" (Taraxacum pseudoroseum), eine frostharte Staude aus Zentralasien, beeindruckend durch ihre roségoldenen Blüten. Obgleich jeder Löwenzahn etwas anders ist, eines bleibt sicher: Für Bienen sind alle Sorten dieser Gattung attraktiv.

nach dem Imker-Fachmagazin von Dipl.-Ing. Miroslava Novotná