Hummelnistkästen gefährden wildlebende Hummelköniginnen

Die Geschichte der Wissenschaft hat uns schon oft gezeigt, dass die bedeutendsten Entdeckungen häufig zufällig entstehen. Genau auf diese Weise haben Forschende nun ein ernstes Problem im Zusammenhang mit der Hummelhaltung und ihren Auswirkungen auf natürlich vorkommende Populationen aufgedeckt.

Ein US-amerikanisches Forschungsteam unter der Leitung von Heather Grab vom College of Agriculture and Life Sciences der Cornell University untersuchte ursprünglich, ob Kolonien der künstlich gezüchteten Hummelart Bombus impatiens die Bestäubung früher landwirtschaftlicher Kulturen verbessern. Bei regelmäßigen Kontrollen fanden sie jedoch wiederholt in den Nistkästen große Mengen toter Königinnen wildlebender Hummelarten. Im Durchschnitt lag die Zahl der so gefundenen toten Königinnen bei zehn pro Nistkasten, in einigen Fällen waren es sogar bis zu zwanzig.

Die in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Applied Ecology veröffentlichte Studie warnt, dass Nistkästen mit kommerziell gehaltenen Hummelkolonien wie eine tödliche Falle wirken können. Wildlebende Königinnen werden von diesen Kästen besonders im zeitigen Frühjahr stark angezogen, wenn sie aktiv nach einem geeigneten Ort für ihr eigenes Nest suchen.

Warum gehen wildlebende Königinnen das Risiko ein?

Wildlebende Hummelköniginnen erleichtern sich in der Natur häufig die anspruchsvolle Gründung einer neuen Kolonie, indem sie ein bereits vorhandenes Nest übernehmen. Dieses Verhalten ist evolutionär vorteilhaft, denn der Nestbau „von null“ ist für eine alleinstehende Königin körperlich wie zeitlich sehr aufwendig und riskant. In der Natur ist dieses Vorgehen relativ risikoarm, weil die Kolonien, die eine Königin angreift, meist klein und noch nicht voll entwickelt sind. Künstlich aufgezogene Hummelkolonien, die kommerziell zur Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen eingesetzt werden, sind dagegen bereits groß und verfügen über eine starke Gruppe von Arbeiterinnen, die eine Eindringling-Königin wirksam abwehren können. Versuche wildlebender Königinnen, in solche Nistkästen einzudringen, enden daher meist mit ihrem Tod.

Auswirkungen auf das umliegende Ökosystem und natürliche Bestäuber

Ziel der Forschung war ursprünglich zu klären, ob künstlich gezüchtete Hummelkolonien die Honigbiene bei der Bestäubung bestimmter landwirtschaftlicher Kulturen ersetzen können, etwa bei Erdbeeren oder Tomaten, insbesondere in kühlen Frühjahrsphasen. Nach dem beunruhigend hohen Anteil toter wildlebender Königinnen überarbeiteten die Forschenden jedoch ihre Schlussfolgerungen und warnen vor den Folgen dieser Praxis.

„Jede getötete wildlebende Königin bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust – sie gründet keine Kolonie, und keine ihrer Arbeiterinnen wird bei der Bestäubung von Kulturpflanzen in der Landschaft mithelfen“, betont Studienleiterin Heather Grab.

Obwohl die Wildpopulation der Hummelart Bombus impatiens derzeit noch nicht gefährdet ist, fand das Forschungsteam in derselben Situation auch tote Königinnen der Art Bombus perplexus, deren Bestände in den USA in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind.

Negativer Effekt auf die gesamte Pflanzenbestäubung

Die Ergebnisse ergänzender Beobachtungen zeigten zudem eine überraschende Tatsache: Obwohl die Forschenden das Gegenteil erwartet hatten, gingen die Besuche von Hummeln an Blüten – und damit auch das allgemeine Bestäubungsniveau – nach dem Ausbringen künstlich gehaltener Kolonien paradoxerweise zurück. Damit zeigt sich, dass die auf den ersten Blick nützliche Praxis des Einsatzes kommerziell gezüchteter Hummeln die Bestäubungseffizienz senken und gleichzeitig Wildpopulationen gefährden kann.

Die im Journal of Applied Ecology veröffentlichte Studie erweitert damit die Liste menschlicher Aktivitäten, die potenziell negative Auswirkungen auf Umwelt und Populationen wildlebender Bestäuber haben. Die Autorinnen und Autoren appellieren an mehr Bewusstsein und einen verantwortungsvolleren Umgang beim Einsatz kommerziell gehaltener Hummelkolonien in der Landwirtschaft.

Nistkästen als unerwartete Falle für wildlebende Hummelköniginnen

Die Untersuchung des US-Teams unter der Leitung von Heather Grab deckte ein überraschendes und zugleich alarmierendes Problem auf, das mit dem Einsatz künstlich gezüchteter Hummelkolonien (Bombus impatiens) zusammenhängt.

Es zeigt sich, dass Nistkästen mit künstlich aufgezogenen Hummeln wildlebende Königinnen vor allem durch ihr Erscheinungsbild sowie durch Gerüche anlocken, die von einer starken Kolonie in die Umgebung getragen werden. Für wildlebende Königinnen, die im zeitigen Frühjahr nach einem geeigneten Platz zur Gründung eines eigenen Nestes suchen, stellen diese Kästen eine unwiderstehliche Falle dar. Sie versuchen häufig, solche Plätze zu übernehmen – doch im Inneren wartet eine zahlreiche Arbeiterinnenschaft, die ihre eigene Königin verteidigt, sodass die Eindringling-Königin in der Regel ihr Leben verliert.

Eine einfache Lösung des Problems

Die Forschenden fanden jedoch eine leicht umsetzbare und wirksame Maßnahme, um wildlebende Königinnen vor dem Tod zu schützen. Sie testeten eine spezielle Einfluglochverengung („Reduktion“) am Eingang der Nistkästen, die nur kleineren Individuen – also Arbeiterinnen – den Durchgang erlaubt, größeren Königinnen jedoch den Zutritt verwehrt. Diese einfache Anpassung verhindert, dass die Stockkönigin das Nest verlässt, und lässt zugleich keine wildlebenden Königinnen hinein, die die Kolonie übernehmen wollen.

Praxistest der Lösung

Das Team um Heather Grab führte eine experimentelle Studie in acht Apfelanlagen in der Region Finger Lakes im Bundesstaat New York durch. Die Hälfte der Nistkästen mit Hummelkolonien erhielt Einflugloch-Reduktionen, die andere Hälfte blieb ohne. Die Forschenden markierten die ursprünglichen Königinnen in jedem Nistkasten, um mögliche Übernahmen des Nestes durch eine fremde wildlebende Königin eindeutig zu erkennen.

Die Ergebnisse des Experiments waren eindeutig. Nistkästen ohne installierte Reduktionen erwiesen sich als tödliche Falle – in ihnen fanden die Forschenden bis zu neunzehn tote wildlebende Königinnen in nur einem einzigen Kasten. Dagegen wurde in Nistkästen mit Reduktion kein Verlust festgestellt: Wildlebende Königinnen konnten nicht eindringen, und Konflikte wurden so vollständig ohne Opfer verhindert.

Empfehlungen für Halter und Anbauer

„Wenn Sie als Anbauer künstlich gezüchtete Hummelkolonien nutzen, können Sie paradoxerweise statt einer höheren Bestäubungsleistung das Gegenteil bewirken – einen Rückgang der Bestäubungsdienstleistungen. Wir empfehlen dringend, gezielte Schutzmaßnahmen anzuwenden, etwa eine einfache Einflugloch-Reduktion, die zuverlässig verhindert, dass fremde Königinnen in Ihre Nistkästen eindringen“, erklärt Heather Grab.

Aus der Zeitschrift „Včelařství“ Miller, Olivia, et al.