Ihre erste Honigernte: Ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung
Jeder Imker erlebt irgendwann den besonderen Moment, wenn monatelange Arbeit mit der Honigernte gekrönt wird. Für eine erfolgreiche und ertragreiche Ernte ist das richtige Timing sowie das Einhalten der bewährten Imkerverfahren unerlässlich. Wissen Sie, wie Sie den Ablauf optimal planen und welche Werkzeuge Ihnen die Arbeit erleichtern? Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie Sie Ihre erste Honigernte reibungslos gestalten und am Ende köstlichen Honig in großen Mengen genießen können.
Zeitpunkt der Honigernte
Die erste Honigernte sollte am besten Ende Mai oder Anfang Juni erfolgen – je nach Witterung kann sich dieser Termin verschieben. Entscheidend ist, mit der Ernte zu beginnen, sobald die Tracht zu Ende geht, um möglichst hochwertigen und unverfälschten Honig zu erhalten. Bewahren Sie Honig aus unterschiedlichen Trachten immer separat auf.
Wann ist der beste Erntezeitpunkt? Idealerweise an einem warmen, windigen Tag ohne die Gefahr plötzlicher Regenschauer. Sämtliche Vorbereitungsschritte sollten vorab erledigt werden. Die Entnahme der Honigwaben beginnt am besten am Morgen, wenn noch wenige Arbeiterbienen im Bienenstock sind – das verringert auch das Risiko von Räuberei durch andere Bienenvölker.
Nach jeder Honigernte steigert sich die Sammelleistung Ihres Volkes und die Effektivität bei der Nektaraufnahme weiter. Was sollten Sie für die Honigernte bereithalten?
Vor Beginn der Ernte müssen verschiedene Vorbereitungen getroffen werden. An erster Stelle steht die Reinigung und Desinfektion der Honigschleuder, damit keine Verunreinigungen oder Keime den Honig beeinträchtigen. Die Schleuder sollte in einem sauberen, bienendichten Arbeitsraum unweit des Bienenstands aufgestellt werden.
Tragen Sie während der Arbeit Schutzkleidung für Imker. Diese bewahrt Sie zuverlässig vor Stichen. Geübte Imker kommen oft mit Schleier und Handschuhen aus, aber besonders beim ersten Mal empfiehlt es sich, einen Imkeranzug zu tragen.
Welches weitere Werkzeug benötigen Sie? Zu den wichtigsten Utensilien zählen ein Smoker mit Brennmaterial, um die Bienen zu beruhigen, das Stockmeißel, um die Rähmchen sicher zu bewegen, und eine Transportbox für die entnommenen Waben. Außerdem nützlich: eine Bienenbürste zum Entfernen von Bienen auf den Rähmchen sowie eine Entdeckelungsgabel zum Öffnen der verdeckelten Waben. Frischen Sie Ihre Grundausstattung als Neuimker rechtzeitig auf.
Wie erkennt man reifen Honig?
Die Reifung des Honigs benötigt Geduld – und es gilt, den optimalen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Gerade neue Imker unsicher, wie reifer Honig erkennbar ist; hilfreiche Regeln erleichtern die Entscheidung. Das klare Anzeichen für reifen Honig ist ein verdeckeltes Wabenbild – also wenn die Bienen die Wabe mit einer dünnen Wachsschicht, dem sogenannten Wachsdeckel, verschließen. Erst jetzt ist der Honig ausreichend getrocknet und lagerfähig. Sind die Zellen noch offen, sollte noch nicht geschleudert werden, da der Honig sonst gären könnte.
Eine weitere Methode ist der Wabendruck-Test: Halten Sie die Wabe mit einer Hand und klopfen Sie sanft gegen das Rähmchen. Tritt dabei kein Honig aus, ist der Honig zur Ernte bereit.
Schleudern Sie keine Waben, in denen sich noch Brut befindet, da so Larven geschädigt und Krankheiten im Bienenvolk gefördert werden. Vergessen Sie nicht, Ihren Bienen stets einen Anteil Honig (ungefähr 3-4 Liter) als Futter im Stock zu lassen, damit sie nicht hungern und vital bleiben.
Honigernte Schritt für Schritt
Halten Sie bei Betreten des Bienenstands alle nötigen Geräte bereit, um einen zügigen Ablauf zu garantieren. Öffnen Sie zuerst den Honigraum und setzen Sie nach Bedarf vorsichtig Rauch ein – erfahrene Imker verzichten bei der Honigernte oft darauf.
Entnehmen Sie dann die Honigräume und legen Sie sie auf eine ebene Unterlage, bedeckt mit einem feuchten Tuch. Stellen Sie eine Abkehrplattform am Flugloch bereit. Danach entnehmen Sie die Rähmchen mit reifem Honig und bürsten die Bienen vorsichtig ab – jedoch niemals zurück in den Stock! Schneiden Sie, falls benötigt, große Brutwaben um etwa zwei Drittel ihrer Höhe ein, überschüssige Waben mindestens zur Hälfte.
Alternativ kann eine Bienenflucht verwendet werden, die das Entfernen der Bienen aus den Honigräumen erleichtert. Platzieren Sie sie am Vortag unter den Honigraum, damit die Bienen hinunterziehen. So gelingt die Arbeit ruhiger.
Stellen Sie die entnommenen Rähmchen in eine Transportkiste und ersetzen Sie sie sofort durch leere Rähmchen, damit die Bienen nicht an unpassenden Stellen weiterbauen.
Tipp: Nach dem Schleudern können Sie die ausgeschleuderten Waben abends wieder ins Volk geben.
Zeit für das Schleudern und Abfüllen
Nach dem erfolgreichen Einsammeln bringt man die Transportboxen direkt in den vorgesehenen Schleuderraum und beginnt ohne großes Warten mit dem Schleudern, bevor der Honig fest wird. Bei zähflüssigem Honig empfiehlt es sich, die Deckel mit einem Messer in heißem Wasser oder einer speziellen Entdeckelungsgabel abzutrennen – am besten in sanft gleitenden Bewegungen von oben nach unten.
Wann beginnt das Schleudern? Direkt nach dem Entdeckeln, sobald der Honig zu fließen beginnt. Am Anfang bei niedriger Drehzahl schleudern, um Wabenschäden zu vermeiden; nach dem Umdrehen der Wabe die zweite Seite mit höherer Drehzahl schleudern. Anschließend noch einmal die erste Seite – dies maximiert die Ausbeute. Danach wird der Honig über einen Sieb in den Auffangbehälter abgelassen, um Fremdkörper und Wachspartikel zu entfernen.
Im letzten Schritt lässt man den Honig in einem Edelstahl-Absetzbehälter mehrere Tage ruhen. An der Oberfläche sammelt sich nach und nach Schaum mit kleinen Luftblasen oder Wachsteilchen – diesen Schaum schöpft man regelmäßig ab.
Nach getaner Arbeit werden die ausgeschleuderten Waben zurück zum Bienenvolk gebracht. Zum Abschluss ist es wichtig, den Honig sicher abzufüllen und sämtliche Werkzeuge, Waben und den Schleuderraum sorgfältig zu reinigen und für den nächsten Einsatz vorzubereiten.
Ein großartiger Moment für jeden Imker
Die erste Honigernte ist ein unvergesslicher Augenblick für jeden Imker. Es ist die Gelegenheit, die Früchte jahrelanger Sorgfalt und Mühe zu sehen. Auch wenn der Ablauf zunächst komplex erscheint, spielen die richtige Ausrüstung, Schutzkleidung und die Befolgung bewährter Schritte die entscheidende Rolle. Nach der Premiere bei der Honigernte werden Sie feststellen, dass die nächste einfach und deutlich schneller verläuft.




































































































































































































