Gesetzmäßigkeiten im Leben der Bienen
Heutzutage ist die Imkerei erheblich leichter geworden, als man sich vorstellen kann. Unsere Vorfahren ebneten mit großer Mühe und durch zahllose Versuche und Irrtümer den Weg, auf dem die moderne Imkerei heute aufbaut.
Sie beobachten und beschrieben die grundlegenden Abläufe im Leben und Verhalten der Bienen, wie sich ein Imker gegenüber seinen Bienen verhalten sollte und was er von ihnen erwarten kann. Wir können diese Kenntnisse als Gesetzmäßigkeiten im Leben der Bienen zusammenfassen – in der Fachsprache bekannt als Biologie der Honigbiene. Sie bildet das Fundament der imkerlichen Praxis und ist unverzichtbar.
Ohne grundlegendes biologisches Wissen über Körperaufbau, physiologische Prozesse im Organismus, individuelle Entwicklung sowie Entwicklung des Bienenvolkes, das natürliche Verhalten wild lebender Honigbienen und ihrer domestizierten Verwandten im Bienenkasten wäre die Imkerei ein schwieriges und leidiges Unterfangen. Beherrscht ein Imker jedoch einige grundlegende Grundlagen, steht einem erfolgreichen Umgang mit Bienen nichts mehr im Wege. Die mühselige und schwierige Vorarbeit haben bereits unsere Vorfahren sowie moderne Wissenschaftler geleistet. Nun reicht es, dieses erarbeitete Wissen zu übernehmen und es praktisch umzusetzen.
Natürlich können wir Sie in diesem Beitrag nicht mit allen Aspekten sorgfältig vertraut machen – hierfür reicht oft nicht einmal ein umfangreiches Lehrbuch. Wir bieten hier mindestens jene wesentlichen Informationen, mit denen Sie schon zu Beginn Ihrer Tätigkeit mit Bienen vertraut sein sollten.
Der Bienenabstand („Bee-Space“)
Der sogenannte Bienenabstand (Bee-Space) ist für Bienen entscheidend. Um problemlos von einer Wabe zur nächsten zu gelangen, halten Bienen einen Abstand um die Waben von etwa 8 mm (±2 mm) frei. Wird dieser Abstand kleiner, verbauen ihn die Bienen mit Propolis. Ist er hingegen größer, tendieren sie dazu, wildes, unregelmäßiges Wabenwerk zu errichten („Wildbau“), insbesondere wenn es an Platz mangelt.
Am besten wählen Sie von Beginn an einen Bienenstock, der den korrekten Bienenabstand berücksichtigt. Falls nicht, droht Ihnen, dass die Bienen komplette Zargen und Rähmchen mit Wachsbrücken verbinden; dies erschwert spürbar die Arbeit mit Bienen und führt obendrein dazu, dass Ihr Bienenvolk im Inneren schwieriger zu verwalten ist.
Wabenabstand
Eng mit dem Bienenabstand verknüpft ist der sogenannte Wabenabstand, d. h. die Entfernung zwischen zwei benachbarten Waben. Die empfohlene Achsentfernung beträgt in der Praxis normalerweise zwischen 35 und 37 mm.
Das bedeutet konkret: wenn in einer normalerweise für zehn Waben vorgesehenen Zarge lediglich neun Rähmchen mit Mittelwänden eingesetzt werden, reagieren die Bienen mit dem Bau von Wildbau – diese freistehenden Waben verbinden oft chaotisch die andere regulären Rähmchen. Werden jedoch neun bereits ausgebaute Waben in dieselbe Zarge eingebracht, verlängern die Bienen lediglich vorhandene Zellen, was sehr gut zur verstärkten Honigproduktion genutzt werden kann. Der gewonnene Honig umfasst allerdings in diesem Fall meist einen höheren Wasseranteil.
Drohnenbrut beim Einsatz von Mittelwänden
Bienen sind eigenständige, lebendige Wesen, die eigenständig verschiedene Zelltypen (Arbeitsbienen- und Drohnenzellen) errichten. Werden normale Wachsmittelwände eingebracht, bauen Bienen überwiegend Arbeiterinnenzellen. Entscheidet sich der Imker für sogenannte Baurähmchen, also leere Rähmchen ohne Mittelwand, beginnen die Bienen sofort mit dem Bau von größeren Drohnenzellen. Diese wirken auf die Königin besonders anziehend und werden rasch mit Drohneneiern bestiftet.
Durch diesen Ansatz erhält der Imker die Möglichkeit, die Lage des Brutbereichs innerhalb des Stocks aktiv zu beeinflussen. Eine weitere Alternative stellen kleinere Fluglöcher und Lüftungsöffnungen dar, da Königinnen gerne in Stockbereichen Eier legen, wo ein stetiger Zustrom frischer Luft herrscht.
Drohnen und Genpool-Erneuerung
Drohnen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern; daher besitzen sie lediglich einen vererbten Chromosomensatz – immer von der Mutterseite. Das allein wäre nicht problematisch. Kritisch wird die Situation, wenn die Spermienspeicher der Königin erschöpft sind. Sie kann zwar weiterhin Eier legen, aber ausschließlich unbefruchtete, was bedeutet, dass nur noch Drohnen entstehen. Dies reduziert drastisch die genetische Vielfalt eines Bienenvolkes, was langfristig zu genetischer Degeneration führt. Um eine Problemstellung wie diese zu umgehen, können und sollten Imker proaktiv handeln.
Die einfachste Möglichkeit, den genetischen Pool zu erweitern und aufzufrischen, bietet der Ankauf neuer Königinnen oder Königinnenzellen verschiedener Herkunft. Diese neuen Königinnen legen dann frische Drohneneier, die einen neuen genetischen Impuls einbringen. Gleichzeitig produzieren sie Arbeiterinneneier, die zur Hälfte neue genetische Information (über die Mutter) und zur Hälfte die bisherigen Drohnengene enthalten. Bald stehen vollständig neu strukturierte Bienengenerationen bereit, die zu gesünderem und widerstandsfähigerem Nachwuchs führen.
Trotz allem gilt angesichts der hohen Völkerdichte der Bienenbestände in unserer Region, dass sich absolute genetische Reinheit nahezu unmöglich erreichen lässt.
Räuberei
Schon bald nach der Sommersonnenwende signalisieren den Bienen ihre interne biologische „Uhr“ und kürzer werdende Tage die nahende Winterzeit. Gleichzeitig nehmen vorhandene Nektarquellen rapide ab. Gerade jetzt sind Bienen intensiver auf der Suche nach leicht zugänglichen Futterquellen. Lass also auf keinen Fall Honigwaben offen herumliegen, denn die Bienen würden diese sehr schnell entdecken, anfliegen, ausräumen und in ihre eigenen Stöcke umtragen.
Dies betrifft auch das Ausrauben schwacher Nachbarvölker. Schwächere Bienenvölker sollte man durch Verkleinern des Fluglochs schützen – so erhöhen sich ihre Verteidigungschancen. Ist die Räuberei bereits voll im Gange, empfiehlt sich ein sofortiger Ortswechsel.
Feuer und Rauch
Feuer stellt für Bienen eine unerhörte und totale Katastrophe dar. Durch Jahrmillionen Evolution haben Bienen jedoch Mechanismen entwickelt, um diese Gefahr zu überleben. Sobald Bienen Rauch unterbewusst wahrnehmen, greifen sie instinktiv auf die Honigreserven zurück und bereiten eine Flucht vor, indem sie Vorräte in ihre Honigmägen aufnehmen.
Daraus folgt der grundlegende Ratschlag für Imker, den Rauchapparat (Smoker) stets sparsam zu verwenden.
Eindringlinge in den Bienenstock
Bienenvölker verfügen über erstaunliche Überwinterungsfähigkeiten. Sie akkumulieren ausreichend Zucker- und Eiweißreserven, um den gesamten Winter zu überdauern. Darum locken diese Vorräte oft Einbrecher und potenzielle Räuber an.
Bienen setzen sich gegen Eindringlinge mit Stichen zur Wehr, mit oftmals tödlichen Konsequenzen für sichselbst. Doch dieses scheinbar kontraproduktive Verhalten ist hocheffektiv, da freigesetzte Alarmpheromone beim Stich weitere Verteidigerinnen exakt an diese Stelle locken. So erzielen sie eine ultimative Effektivität ihrer Abwehrstrategie durch konzentrierten Giftangriff.
Die Lektion für Imker lautet also erneut: Versuchen Sie, Ihre Bienen nicht unnötig aggressiv zu machen.





































































































































































































