Imker, wacht auf!

Honig als mystisches Produkt der Bienen wurde von Anfang an mit Ehrfurcht betrachtet, da er von vielen Geheimnissen umgeben war. Die Biene selbst ist zweifellos ein Symbol für Fleiß, aber auch für Reinheit und Jungfräulichkeit. Das Alter eines archäologischen Bienenfundes aus der Stadt Elios in Schweden wird auf etwa 9.000 Jahre geschätzt. Noch viel älter ist eine Höhlenmalerei aus der spanischen Gemeinde Arana, die eine Frau beim Entnehmen einer Bienenwabe zeigt. Funde aus Afrika, Indien und nicht zuletzt auch vom amerikanischen Kontinent verschieben das Alter der Bienen in einen sechsstelligen Zahlenbereich. Die Griechen waren überzeugt, dass die Biene älter ist als der Planet Erde.
 

Der Mensch, dessen Dasein auf der Erde wesentlich kürzer ist, schätzte die Biene seit jeher sehr. In Ägypten wurde die Biene bereits in der ersten historischen Dynastie (3200 v. Chr.) zum Symbol für das „Königreich“. Nach ägyptischer Legende waren Bienen lebendige Tränen des Sonnengottes Re. Papst Urban VIII. (1568–1644) aus dem Haus Barberini führte sogar drei Bienen in seinem Wappen. Die Biene und das gesamte Bienenvolk sind Inbegriff der Vollkommenheit. Diese Vollkommenheit für Imker weiter auszuführen ist sicherlich überflüssig, und doch hat der Trend zum Imkern viele Neulinge und Unerfahrene zu den Bienen geführt, die von dieser Perfektion noch sehr wenig wissen.

Über echten Bienenwachs

Im Laufe der Zeit, als es dem Menschen zu beschwerlich wurde, in freier Natur oftmals in große Höhen zu klettern, brachte er die Bienen in die Nähe seiner Behausung. Über Jahrhunderte erfand er verschiedene Neuerungen, um höhere Erträge zu erzielen. Aufmerksame Beobachter brachten einige bahnbrechende Erfindungen hervor, wie etwa die Mittelwände aus Bienenwachs. Damit schonten sie teilweise die Wachsdrüsen der Arbeitsbienen, sparten vor allem im Frühjahr Zeit und förderten so die raschere Entwicklung des Bienenvolks. Heute, da wir Bienen in „allerlei Kästen“ halten, sind Mittelwände enorm wichtig, denn das ursprüngliche („jungfräuliche“) Wabenwerk, welches weißlich, leicht gelblich ist, verfärbt sich im wiederkehrenden Lebenszyklus der Bienenvölker zu bräunlich, dunkelbraun und manchmal sogar schwarz – je nach Bienenhaltung. Solche Altwaben haben nichts im Bienenstock zu suchen und müssen entfernt werden. Die Wichtigkeit von Waben steht außer Frage. Bienenwaben besitzen eine einzigartige Zusammensetzung und können aus meiner Sicht durch nichts ersetzt werden, auch nicht durch die jüngst eingeführten aus Kunststoff. Besonders bei der Bienenkommunikation spielen Wachswaben eine wichtige Rolle, sei es durch Schwingungen, Duft, Wärmeisolierung oder thermische Ausdehnung. Bienenwachs ist ein Gemisch aus mehr als 300 verschiedenartigen organischen Stoffen tierischen und pflanzlichen Ursprungs. Längst haben wir das Leben der Bienen verändert: Früher haben Bienen ihr Wabenwerk verlassen, damit die Wachsmotte ihren Platz fand. Heute schneiden wir die verbrauchten Waben aus den Rähmchen, um das Wachs auszuschmelzen und anschließend sachgemäß in Mittelwände umzuwandeln – durch Gießen oder Walzen. Die chemische Zusammensetzung des Wachses kann sich beim Verarbeiten deutlich ändern. Durch 24-stündiges Erhitzen auf 100 °C verändert sich das Verhältnis zwischen Estern und Säuren, und der Anteil der Kohlenwasserstoffe sinkt. Auch gehen flüchtige Bestandteile verloren. Beim Bleichen wird der Großteil der Aromastoffe entfernt.

Fälschung von Bienenwachs

Mit zunehmendem Wachsverbrauch durch die wachsende Zahl von Imkern steigt aktuell das Risiko der Verfälschung von Bienenwachs. Leider führt die hohe Nachfrage nach Bienenwachs – insbesondere für die Herstellung von Mittelwänden – vermehrt zu Importen aus China, mittlerweile aber auch aus der Ukraine, Polen, der Slowakei und Russland.

Es muss nicht extra betont werden, dass der Umgang mit dieser Ware in diesen Ländern anders ist und vor allem in Bezug auf Arzneimittelrückstände und mögliche Krankheitserreger im Bienenwachs ein enormes Risiko besteht. Der Mangel an echtem Bienenwachs wird nicht durch die vielen neuen Imker verursacht, sondern durch den spekulativen Export unseres hochwertigen Wachses, vornehmlich nach Deutschland. Der knappe Bienenwachs wird oft mit Paraffin gestreckt. Diese Fälschung tritt wegen der Gier nach mehr Gewinn leider auch immer häufiger bei einigen unserer Imker oder Händler auf. Bei Importen aus China wurden Fälle bekannt, in denen Paraffin gelb gefärbt und mit Honigaroma versehen wurde. Bienen akzeptieren solche Ersatzstoffe nicht gerne. Sie besetzen Mittelwände mit solchen Beimischungen nur im äußersten Notfall, und wenn sie doch darauf bauen und einlagern, bricht das Werk spätestens im Sommer zur Enttäuschung des Imkers zusammen.

Echtheitsprüfung

Der Schmelzpunkt von natürlichem Bienenwachs liegt bei etwa 62–65 °C, während Paraffin, das aus der Destillation von Erdöl oder durch Kristallisation aus Braunkohleteer gewonnen wird, bereits bei 42 °C schmilzt. Außer im Labor sind die Möglichkeiten zur Erkennung von minderwertigem oder gestrecktem Wachs begrenzt, aber es gibt sie. Ein Stück Bienenwachs muss an der Bruchstelle feinkörnig, matt und kristallfrei sein; beim Schnitt mit einem scharfen Messer darf die Klinge nicht klebrig werden. Schneidet man mit einer Klinge oder einem Spatel darüber, sollten sich spiralförmige Späne bilden und ein Strich, etwa mit Kreide gezogen, muss auf der Oberfläche haften bleiben.

Knetet man ein kleines Stück Wachs etwa 10 Minuten zwischen den Fingern, wird es geschmeidig, plastisch und darf nicht abfärben. Beim Auseinanderziehen darf es nicht glänzen und sollte sich leicht abreißen lassen. Ein weiterer Test besteht in einem Wasserbad mit etwas Alkohol, da Paraffin leichter ist als Bienenwachs. In den letzten Monaten haben sich auch praktische Echtheitstests bewährt, bei denen eine kleine Menge geschmolzen und auf einer alten Handpresse zu Mittelwänden verarbeitet wird. Diese werden dann in den Bienenstock gegeben. Entweder bauen die Bienen auf ihnen, oder sie werden komplett abgelehnt. Diese Prüfung ist am zuverlässigsten.
Geschlossener Wachskreislauf
Die Lösung für dieses Problem könnte ein geschlossener Kreislauf bei der Wachsverarbeitung sein. Ideal wäre, wenn das Wachs beim Imkerankauf nicht anonym eingekauft würde. Im Imkereigeschäft in der Křemencová 8 sowie direkt bei Včelpo werden bei jedem Ankauf immer Name und Registriernummer des Imkers vermerkt. Von anderen Imkereibedarfshändlern jedoch, die Wachs zur Umtausch an Včelpo schicken, geschieht dies meistens ohne jede Angabe zur Herkunft – manchmal stimmen sogar die Gewichte nicht mit den Lieferscheinen überein.

Včelpo hat in letzter Zeit über 80.000 Kronen für Analysen der gelieferten Wachse aufgewendet. Die Feststellungswerte von Paraffin im Bienenwachs bewegten sich zwischen 11 und 18 %. Kein einziger dieser Fälle betraf den Ankauf in der Křemencová 8 oder direkt in Včelpo, sondern immer nur Kunden, die über Händler das angekaufte Wachs zum Umtausch gegen hergestellte Mittelwände einsandten. Anfang Juni dieses Jahres wurde sogar einem tschechischen Importeur von Bienenwachs die Annahme komplett verweigert. Die Beimischung von Paraffin im Wachs zur gewerblichen Nutzung lässt sich zudem nicht gleichmäßig einfärben – eine Färbung wird eigens angebracht, um zu verhindern, dass dieses technische Wachs durch Rückkauf wieder dem Imkereikreislauf zugeführt werden kann.

Jüngst wurden außerdem Fälle bekannt, in denen Mittelwände, die außerhalb der Produktionslinie von Včelpo hergestellt wurden, als Včelpo-Produkte ausgegeben werden. Es gibt inzwischen Hinweise, die auch rechtlich verfolgt werden, dass gerade diese Mittelwände oft Grund für das Zusammenbrechen des Wabenwerks im Sommer sind.

Mit dem neuen Geschäftsführer bei Včelpo werden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die in Zukunft Verwechslungen dieser Mittelwände verhindern sollen. Zur eindeutigen Identifizierung des zur Mittelwandherstellung gelieferten Bienenwachses wird demnächst eine Prägeeinrichtung für das Logo am Mittelwandautomaten installiert, die die Verwechselung verhindert—nicht zuletzt, um einen gezielten Imageverlust von Včelpo zu verhindern. Und nicht nur das. Das neu ausgearbeitete HACCP-System stellt uns vor die Aufgabe, geeignete Produktionsbedingungen zu gewährleisten. Zur Umsetzung wird der Betrieb um eine weitere Reinigungsstufe für Bienenwachs und einen Mechanismus für gewalzte Mittelwände erweitert.

Um jeglicher Fälschung von Wachs vorzubeugen und den Imkern Mittelwände aus echtem Bienenwachs zu garantieren, bieten wir den Grundorganisationen enge Zusammenarbeit im Bereich An- und Aufkauf von Bienenwachs und Waben an, damit keine weitere Kontaminierung geschieht.

Es bringt nichts, Včelpo zu kritisieren oder auf unbelegte Vorwürfe zu hören, ohne den wahren Ursachen der zunehmenden Wachsverfälschung nachzugehen, die oft nur zur persönlichen Bereicherung betrieben wird. Das hilft den Bienen nicht und wird sie womöglich auch nicht retten. Notwendig ist die Zusammenarbeit aller, die mit Liebe und Verantwortung für die Perfektion und Unersetzlichkeit der Bienen für die Natur arbeiten. Nur an uns liegt es, ob wir gesunde Bienen an die nächste Generation weitergeben. Bienenwachs ist ein Teil davon.
 

Aus der Zeitschrift Včelařství
Jan Šmíd, Mitglied des RV