Honigtauhonig

Honig entsteht nicht nur durch die Verarbeitung von Blütennektar von Wiesenblumen. Bienen (und auch Menschen) lieben ebenfalls Honigtau, bekannt als Waldhonig. Diesen produzieren die Bienen aus Honigtau, einer süßen Flüssigkeit mit geringer Viskosität und klebriger Konsistenz. Den Honigtau sammeln Bienen von Nadeln, Blättern und Zweigen der Pflanzen, bringen ihn dann in ihren Stock und verarbeiten ihn dort weiter zu Waldhonig.

Was ist Honigtau?

Honigtau finden wir praktisch überall in unseren Wäldern. Diese Substanz wird nämlich von bestimmten Blattlausarten produziert, ganz gleich, ob diese auf Nadelbäumen oder Laubbäumen leben. Besonders häufig ist Honigtau aber auf Nadelbäumen zu finden. Im Unterschied zu Laubbäumen (und zur im Herbst ihre Nadeln verlierenden Lärche) verlieren immergrüne Nadelgehölze über den Winter jene Läusearten nicht, die Honigtau erzeugen. Dadurch beginnen sie bereits zu Beginn des Frühjahrs, Honigtau zu produzieren. Bei Laubbäumen hingegen müssen zunächst die ersten Knospen wachsen. Dank dieses frühen Honigtauvorkommens finden Bienen bereits zeitig im Frühjahr ausreichend Nahrung in den Wäldern.

Risiken, die mit Honigtau verbunden sind

In Bezug auf Honigtau zeigt sich eindrucksvoll das komplexe Zusammenspiel und die Abhängigkeit der Bienen von ihrer Umwelt. Wenn günstige Wetterbedingungen herrschen, produziert der Baum Saft, von dem sich Blattläuse ernähren und dabei Honigtau erzeugen. Diesen sammeln die Bienen ein, ernähren sich davon und produzieren daraus schließlich Honig.

Es mag vielen zunächst seltsam erscheinen, dass Honigtau durch Blattläuse produziert wird, doch keine Sorge: Beim Honigtau handelt es sich nicht etwa um Läusekot. Er entsteht vielmehr in einem separaten Teil des Lausorganismus, der nicht zum Verdauungsapparat gehört. Honigtau ist somit keine Ausscheidung im eigentlichen Sinne, wie gelegentlich falsch behauptet wird.

Der eigentliche Nachteil des Honigtauhonigs besteht allerdings darin, dass er viele Stoffe enthält, die für die Bienen schwer verdaulich sind. Deshalb sollte der Imker den Honigtauhonig rechtzeitig vor der Überwinterung entfernen und durch eine andere, leichter verdauliche Nahrung ersetzen. Andernfalls könnte der Bestand durch eine Darmkrankheit namens Ruhr beeinträchtigt werden.

Wie bereiten die Bienen den Honigtauhonig zu?

Die Herstellung von Waldhonig aus Honigtau verläuft ähnlich wie die des klassischen Blütenhonigs. Zunächst sammeln Flugbienen den Honigtau von den Bäumen ein und bringen ihn zurück zum Stock, wo sie ihn an die Stockbienen weitergeben. Dabei vermischt sich der Honigtau bereits beim Transport und durch die Übergabe mit dem Speichel der Bienen, sodass Enzyme und Fermente in die Honigbasis gelangen. Der Hauptunterschied zu Blütennektar besteht darin, dass der Wassergehalt des Honigtaus deutlich höher ist. In den Waben eingelagert, verliert diese Flüssigkeit dann im Verlauf von ein bis drei Tagen den Großteil ihrer Feuchtigkeit. Dieser Prozess wird von vielen Faktoren beeinflusst: Stärke des Bienenvolks, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und vor allem durch eine ausreichende Belüftung im Bienenstock. Sobald überschüssiges Wasser verdunstet ist, verlagern die Bienen den Honig in andere Zellen und verschließen diese durch Wachskappen (Verdeckelung).

Wie soll Waldhonig gelagert werden?

Nachdem der Honig geschleudert wurde, sollte der Imker auf eine geeignete Lagertemperatur achten. Diese sollte möglichst nicht unter 15°C fallen. Ideal ist ein dunkler, kühler Lagerort, da dadurch die Qualität und die wertvollen Inhaltsstoffe des Waldhonigs bestmöglich erhalten bleiben.

Honigtauproduzierende Bäume

Für den Imker ist nicht unbedingt entscheidend, welche Blattläuse genau den Honigtau produzieren und welche lateinischen Namen diese tragen. Viel wichtiger ist, wo und wann Honigtau zu finden ist.

Buchen und Birken bieten von Mai bis Juni Honigtau. Von Fichten gewinnen Bienen besonders viel Honigtau im Juni und Juli, oft gibt es im Verlauf des Sommers (Juni bis August) noch weitere Schübe. Die Kiefer liefert viel Honigtau meist von Ende Mai bis Anfang Juli, manchmal auch im August. Bei der Lärche ist die Haupterntezeit bereits im Juni sowie später noch einmal im August und September. Eichen geben Honigtau von Mitte Mai bis Ende Juli, gelegentlich vereinzelt auch im August und September.

Auch die Ahornbäume bieten Honigtau von Juni bis weit in den Spätherbst hinein, oft zusammen mit ihrem Blütennektar. Auch Linden bieten gleichzeitig Nektar und Honigtau an, vor allem im Juli und August, wobei dieser Mischhonig oft einen überwiegend honigtauhaltigen Charakter hat.