Überraschende Widerstandsfähigkeit der Bienen beim Nestbau
Bienen sind faszinierende Geschöpfe, die auch in Situationen, in denen ihre Ordnung gestört wird, ihren Eifer nicht verlieren. Beim Errichten ihrer Nester behalten sie das Gleichgewicht und nutzen bewährte Strategien, die über Generationen hinweg verfeinert wurden. Stellen Sie sich vor, Bauarbeiter beenden ein Projekt und finden am nächsten Tag alles durcheinander – das Dach ist im Keller, Wohnräume liegen unterirdisch, und selbst Fenster zeigen in eine andere Richtung. Während Menschen vermutlich verzweifeln würden, reagieren Bienen ruhig und effizient.
Laut einer Studie eines internationalen Forschungsteams unter Leitung des Biologen Michael Smith von der Auburn University of Sciences können Bienen mit Unordnung bemerkenswert gut umgehen. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B, belegen ihre erstaunliche Anpassungsfähigkeit – auch dann, wenn wiederholte Eingriffe sie zum Umbau ihrer Nester zwingen.
Im Experiment setzten die Wissenschaftler zehntausend Arbeiterinnen in Bienenstöcke mit identischer Anzahl von Rähmchen ein. Die Bienen begannen, kugelförmige Nester aus parallel angeordneten Waben zu errichten. Während des Baus dokumentierten die Forscher den Fortschritt mit Fotos und veränderten regelmäßig die Anordnung der Rähmchen, um den natürlichen Bauprozess zu stören. Die Hälfte der Kolonien war diesen Eingriffen ausgesetzt, während die andere Hälfte ungestört bauen konnte.
Smith und sein Team vermuteten zunächst, dass die gestörten Nester weniger effizient sein würden. Doch das Ergebnis überraschte: Die Leistung blieb konstant. Es gab keine signifikanten Unterschiede in der Anzahl der Arbeiterinnen, der Wabenfläche, dem Gewicht der Stöcke oder der Nesttemperatur zwischen den gestörten und ungestörten Kolonien.
„Wir waren alle erstaunt, wie gut sich die durcheinandergebrachten Kolonien angepasst haben“, sagt Peter Marting von der Auburn University. „Wir nahmen an, dass einige Kolonien Schwierigkeiten bekommen und den Sommer nicht überstehen würden. Die Robustheit der Bienen veranlasste uns, genauer zu untersuchen, wo und wie Arbeiterinnen neue Waben anlegen – was schließlich zur Entwicklung von Computermodellen führte, um den Wabenbau vorherzusagen.“
Die Schlüsselrolle der Wabenverbindung
Die außergewöhnliche Fähigkeit der Honigbienen, sich wiederholten Störungen ihres Nestbaus anzupassen, beruht auf ihrer Fertigkeit, die Form der Waben an die jeweilige Nistumgebung anzupassen. In der Natur sind sie vielfältigen, oft unregelmäßigen Hohlräumen ausgesetzt, wodurch sie gelernt haben, den verfügbaren Raum optimal zu nutzen.
Auf Grundlage von Beobachtungen über Aufbau und Reparatur der Nester entwickelten die Forscher Computermodelle, die das Bauverhalten der Kolonien simulieren. Diese Modelle zeigten, dass Bienen beim Ausbau ihrer Nester gezielt auf die Verbindung der Waben achten. Reparaturen konzentrieren sich vor allem auf die Verbindungsstellen, die entscheidend für die Stabilität der dreidimensionalen Neststruktur sind. Die Verknüpfung der Waben reduziert das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, was Wärmeverluste minimiert und die Thermoregulation des Nests verbessert. Dies schafft optimale Bedingungen für die Brutentwicklung und erhöht die Überlebenschancen im Winter.
Gut verbundene Waben erleichtern zudem den Informationsaustausch und die Bewegung der Bienen innerhalb des Nests – etwa beim Einlagern von Nahrung, Füttern der Larven oder beim Eierlegen der Königin.
Die Autoren der Studie sind überzeugt, dass das Verständnis der grundlegenden Mechanismen des adaptiven Bauverhaltens sozialer Insekten wertvolle Erkenntnisse über Prinzipien kollektiver Intelligenz und die Widerstandsfähigkeit komplexer Systeme liefern kann.
„Honigbienen sind ein äußerst gut erforschtes System, doch viele grundlegende Entwicklungsfragen bleiben unbeantwortet, weil häufig der natürliche Lebenszyklus der Kolonie unbeachtet bleibt,“ erklärt Michael Smith. „Es ist wichtig, Experimente durchzuführen, die zeigen, wie Bienen auf Herausforderungen reagieren,“ fügt er hinzu.
Aus der Zeitschrift Imkerei, von Jaroslav Petr





































































































































































































