Eurodadant nach 40 Jahren

Nach einer umfassenden Darstellung der Herkunft, einzelner Komponenten und Erfahrungen in der Imkerei mit dem Eurodadant steht nun die Methodik im Mittelpunkt. Besonders hervorzuheben ist, dass bei der Führung der Bienenvölker im Eurodadant-System ein komplett anderer Ansatz gegenüber herkömmlichen Imkereimethoden notwendig ist. Die Arbeitsweise im Eurodadant Die gravierenden Veränderungen der klimatischen Bedingungen und Trachten in den letzten 70 Jahren stellten Ing. Řeháček bei der Konstruktion der Eurodadant-Beute vor neue Herausforderungen. Er wusste, dass die meisten Völker nicht länger zahlreiche kleine Trachten nutzen können, sondern vielmehr auf wenige, massive Trachtschübe – vor allem im Mai – angewiesen sind. Daraus folgt, dass wir unsere Bienenvölker gezielt auf diese Situation vorbereiten müssen. Der hohe Brutraum im Eurodadant bietet hier große Vorteile: Die Entwicklung der Völker verläuft im hohen Brutraum stets schneller als bei flacheren Brutwaben. Dadurch entstehen starke Völker, die frühzeitig die erste große Frühjahrstracht optimal ausnutzen können.

Spätsommer

Ende Juli, nach dem letzten Honigentnahme, wird das Bienenvolk in seine Grundaufstellung gebracht. Im Eurodadant kann der offene Fluglochschlitz am Boden mit einer Höhe von 2 cm weiterhin geöffnet bleiben. Im Arbeitszargen schlüpfen die letzten Drohnen, während die Königin im Brutraum auf Hochtouren legt. Der letzte, frisch geschleuderte Honigraum wird über das Brutnest gesetzt. Während des Augusts werden die Völker mit 12-18 kg Zucker nach Bedarf eingefüttert, sofern nicht späte Trachten einen Teil der Wintervorräte liefern. Die Vorräte werden gleichmäßig im Brutraum und im aufgesetzten Honigraum eingelagert, was stark vom Zeitpunkt der Fütterung abhängt. Jetzt hat das Volk ausreichend Vorräte, und die Königin wird beim Legen nicht eingeschränkt. Der Brutraum gewährt weiterhin genug Platz für das Brutgeschäft, während der Honigraum als Futterreserve dient. Ende September wird der Honigraum mit den Vorräten unter das Brutnest umgesetzt. Das Volk lagert die offenen Vorräte sofort ins Brutnest um, wodurch der perfekte Winterschutz gewährleistet wird. In den letzten 13 Jahren haben wir die sogenannte Luftüberwinterung erprobt, ein Ansatz, den Ing. Řeháček bereits vor 20 Jahren vorschlug, wir aber erst seit 10 Jahren fest in die Eurodadant-Methodik übernommen haben. Diese Methode sieht in allen Zargen freie Gassen an den Außenseiten vor, sodass die überschüssige Feuchtigkeit während der Wintermonate entweichen kann. Die Bienen profitieren offenbar von diesem Mikroklima.

Winter

Dank des unter dem Brutnest belassenen Arbeitsraums überwintern die Völker in folgender Konfiguration: offenes Flugloch im Boden mit einer Einlage gegen Nager, darunter eine Leerzarge, darüber der Vorratsraum, dann das Brutnest und zuletzt der Deckel. Die Brutraumöffnung bleibt den ganzen Winter über offen, was für die Luftzirkulation wichtig ist und beim ersten Reinigungsflug im Frühjahr von den Bienen genutzt wird.

Frühjahr und Vorfrühjahr

In der zweiten Märzhälfte, direkt nach dem Reinigungsflug, werden wichtige Frühjahrsarbeiten an den Völkern vorgenommen. Zunächst wird das Brutnest entnommen und die unteren Honigzargen zu einer Zarge zusammengefasst. Die ältesten Waben werden entfernt, und in der Mitte bleibt eine junge Drohnenwabe aus dem letzten Jahr erhalten. Zwei Baurahmen werden eingesetzt und dieser Arbeitsraum auf den gesäuberten Boden gestellt. Dann wird das Brutnest zurückgesetzt und das Volk mit Schiedern auf den benötigten Platz begrenzt. Die Brutwaben mit Bienen werden von den nicht besetzten Waben durch Wärmebrettchen getrennt – besser mehr einengen als zu wenig. Hinter den Schiedern liegen dunkle Waben mit ausgeschiedenen Vorräten. Die an das Schied angrenzenden Waben werden mit einem Stockmeißel gelöst. Das Volk befindet sich nun in einem thermisch stabileren Raum, die Königin hat mehr Platz zum Legen. Arbeiterinnen bringen in warmen Tagen Vorräte von hinter dem Schied in die Brutzone – somit steht genug Futter bereit, um die Königin zusätzlich zum Legen anzuregen. Das Brutnest dehnt sich schnell aus. Dieser Prozess hängt von den vorhandenen Pollenquellen ab. Die Bienen reinigen auch die Waben außerhalb des Brutnests, die beim nächsten Kontrollgang entfernt werden können. Durch diese räumliche Eingrenzung wird parasitäre Nosema apis durch die Wärmeentwicklung bekämpft. In dieser reduzierten Beute verbleiben die Bienenvölker etwa 25 Tage lang. Bei kaltem Aprilwetter empfiehlt es sich, den Bienen mit Salz versetztes Wasser bereitzustellen, das sie zur Aufzucht der Brut benötigen.

Nach 25 Tagen schlüpfen viele junge Arbeiterinnen, die die Winterbienen Schritt für Schritt ersetzen. In dieser Phase benötigen die Völker mehr Platz und werden erweitert. Zunächst wird die ausgebaute, aber leere Wabe hinter dem Schied entnommen, das Schied versetzt und an seiner Stelle eine Mittelwand eingesetzt. Die Vorratswabe an der Schiedseite wird wieder angeschnitten, um den Zugang zu verbessern. Die Erweiterung erfolgt normalerweise auf beiden Seiten des bisherigen Brutbereichs oder – bei geringem Bedarf – nur einseitig. Junge Bienen bauen die neuen Mittelwände zügig aus, und die Königin beginnt oft bereits nach 7-10 Tagen mit dem Eierlegen. Bis zur Vollbesetzung des Brutraums werden die Völker alle 7-10 Tage entsprechend erweitert. So werden die Bienenvölker optimal auf die maximale Ausnutzung der Mai-Tracht vorbereitet. Gleichzeitig wird das Brutnest partiell verjüngt und durch das eigene Wärmemanagement prophylaktisch gegen Nosema apis behandelt. Theoretisch sollte diese Thermotherapie gegen Nosema ceranae nicht wirken – die letzten 20 Jahre Praxis zeigen jedoch, dass sie sehr wohl auch bei Nosema ceranae zuverlässig ist. Mehrere Jahre Beobachtung der Nosembelastung in Frühjahrs-geschiedeten und kontrollierten Vergleichsvölkern reichen aus, um die Wirksamkeit der Methode zu bestätigen. Da kein zugelassenes Medikament gegen Nosema existiert und die Thermotherapie überzeugende Ergebnisse liefert, ist das Nosema-Problem bei richtiger Anwendung gelöst – es bedarf lediglich etwas zusätzlicher Arbeit.

Vorfrühjahr, Frühsommer, Hochsommer

Der erste Honigraum wird 2-3 Tage nach Beginn der Frühjahrstracht aufgesetzt – idealerweise mit ausgebauten Waben, ergänzt um 3-5 Mittelwände. Sind nicht genug ausgebaute Waben vorhanden, wird der Honigraum nur mit Mittelwänden bestückt. Ein starkes Volk meistert auch das problemlos. Sobald der erste Honigraum gefüllt ist, folgt der nächste Honigraum mit ausgebauten Waben und Mittelwänden, sodass frischer Nektar und bereits ausgebaute Vorräte räumlich getrennt werden. Nach Bedarf werden weitere leere Honigräume hinzugefügt oder Honig geerntet. Die entnommenen Honigwaben werden aus allen Völkern gleichzeitig entnommen, was sortenreinen Edelhonig in unberührten Waben garantiert. Die ausgeschleuderten Honigwaben werden zwischen Brutraum und Honigraum mit unverdeckeltem Nektar zurückgegeben.

Bienenvölker in den Eurodadant-Beuten bieten optimale Voraussetzungen für zügige Frühjahrsentwicklung, effiziente Nosema-Prophylaxe durch eigene Thermoregulation, kontinuierliche Stärkung der Völker ohne Störung des Brutnests und exzellente Honigqualität – sowohl hinsichtlich der Reife des Honigs als auch der Hygiene durch die unbenutzten Honigwaben.

Aus der Zeitschrift „Imkerei“ – Ing. Pavel Cimala