Wie geht man mit Bienenschwärmen um?

Die natürliche Schwarmbildung ist ein typisches Verhalten von Bienenvölkern. Die meisten Imker sehen dieses Phänomen jedoch nicht gerade mit Freude. Schwärmen die Bienen während der Trachtzeit, reduziert sich der Honigertrag erheblich. Da das Imkern stark von der Schwarmbildung beeinflusst wird, lohnt es sich, diesem Thema besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Was veranlasst Bienen zum Schwärmen?

Einer der möglichen Gründe kann ein Mangel an Platz im Bienenstock sein. Auch Überhitzung im Stock kann das Schwärmen begünstigen; Bienen benötigen für ihr Wohlbefinden unbedingt eine ausreichende Luftzirkulation. Stammt Ihr Volk bereits von einem Schwarm ab, ist das Risiko weiterer Schwärme erhöht. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig eine junge Königin aus guter Zucht einzusetzen, da dadurch dem Schwarmtrieb entgegengewirkt werden kann.

Eine weitere Maßnahme gegen das Schwärmen besteht darin, Weiselzellen rechtzeitig zu entfernen, falls der Imker feststellt, dass das Volk Schwarmstimmung zeigt. Diese Methode bietet allerdings nur kurzfristige Abhilfe. Bessere Resultate erzielt man, wenn man die derzeitige Königin zusammen mit einigen Brutwaben aus dem Volk entfernt und zusätzlich alle Weiselzellen außer der am weitesten entwickelten beseitigt. Die alte Königin kann man in einen separaten Stock (Ableger) setzen und später im Jahresverlauf austauschen.

Ein Bienenschwarm umfasst etwa die Hälfte des ursprünglichen Bienenbestandes einschließlich der Königin. Neben der Königin enthält ein Schwarm meist Flugbienen, junge Bienen (Jungbienen) und Drohnen. Im ersten Schwarm, der ausfliegt, befindet sich stets die alte Königin. Spätere Nachschwärme („Nachschwärme“) besitzen hingegen junge, unbegattete Königinnen. Auch bei diesen Nachschwärmen entscheidet letztlich immer die Königin, wo der Schwarm eine neue Behausung aufsuchen wird. Nachschwärme können mehrere Kilometer weit vom ursprünglichen Volk abfliegen und werden aufgrund ihrer unklaren Herkunft häufig vom Imker beseitigt.

Imkereibedarf zum Einfangen der Schwärme

Eine effektive Methode, den Schwarm zu fangen, ist die Verwendung von sogenannten Schwarmfangkästen („Schwarmfängern“). Dabei wird vor dem eigentlichen Normalmaß-Bienenstock einfach ein weiterer Stock platziert, der sorgfältig vorbereitet und vorher gründlich desinfiziert worden ist (eine Flammenbehandlung ist dabei ausreichend). Innen befinden sich einige Leerrähmchen mit älteren, ausgebauten Waben, in welche die Königin sofort Eier legen kann. Man sollte nur darauf achten, dass man keine fremden, unerwünschten Schwärme einfängt. Für den Imker sind im Regelfall nur eigene Schwärme verwertbar.

Ist sicher, dass der eingefangene Schwarm aus dem eigenen Bestand stammt, empfiehlt es sich, den Schwarm zunächst einige Stunden an einem ruhigen, am besten kühleren Ort ruhen zu lassen.

Die Umsiedlung in einen neuen Bienenstock geschieht entweder über das sogenannte Einlaufenlassen: Der Schwarm wird auf eine schräge Platte vor das Einflugloch gelegt, so dass die Bienen von alleine in den Stock laufen können. Diese Methode benötigt jedoch wesentlich mehr Zeit und Geduld vom Imker. Eine schnellere Methode besteht darin, den Schwarm aus dem Schwarmsack oder Schwarmfangkasten einfach in einen leeren Aufsatz über den bereits eingerichteten Stock zu schütten. Innerhalb weniger Stunden siedeln sich die Bienen dann eigenständig im gewählten Stock an. Den leeren Aufsatz entfernt der Imker anschließend wieder.

In den folgenden Tagen sollte das neue Volk zusätzlich etwas gefüttert werden. Ob sich im eingefangenen Schwarm eine alte oder junge Königin befindet, lässt sich einfach überprüfen: Bereits fünf Tage nach dem Einsetzen kontrolliert der Imker, ob Eier vorhanden sind. Findet sich eine Brut vor, handelt es sich um eine ältere Königin, welche bald ersetzt werden sollte. Eine junge Königin beginnt erst etwa 10 Tage nach dem Einzug Eier zu legen.

Das Volk, aus dem der Schwarm stammt, ist ebenfalls zeitnah zu kontrollieren. Dabei entfernt man alle Weiselzellen außer einer einzigen. Werden am unteren Rand erneut Zellen aufgebaut, entstehen daraus Königinnen, die wiederum eine erhöhte Schwarmneigung aufweisen.

In einem Volk ohne Königin kann es zur Bildung sogenannter Drohnenmütterchen („Buckelbrütigkeit“) kommen. Diese Arbeiterinnen legen ausschließlich unbefruchtete Eier, aus denen Drohnen entstehen. Für die Zucht sind solche Völker unbrauchbar; daher werden sie meistens aufgelöst, da ihre Rettung sehr kompliziert ist.

Grundsätzlich entstehen solche Drohnen legenden Völker, da den Arbeitsbienen eine Königin und die offene Brut fehlt, um die sie sich normalerweise kümmern würden. Möchte der Imker dennoch versuchen, das Volk zu retten, setzt er eine Brutwabe mit offener Brut aus einem anderen Volk hinein. Kümmern sich die Drohnenmütterchen um diese Brut, ist eine erfolgreiche Einführung einer neuen Königin zumindest theoretisch möglich — allerdings mit eher geringer Erfolgschance.