Der Einfluss der Luftfeuchtigkeit auf die Honigqualität
Wenn Sie durch imkerliche Fachliteratur blättern, begegnen Sie bestimmt früher oder später dem Namen Dr. A. Büdel. Der deutsche Experte beschäftigte sich bereits in den 1960er Jahren intensiv mit physikalischen Einflüssen auf Bienenvölker in Bienenstöcken und somit indirekt auf deren bekanntesten Erzeugnis: den Honig.
Aus seiner Sicht existieren vor allem zwei physikalische Faktoren, die dem Bienenhonig am meisten schaden können (Büdel, 1960a): Das sind einerseits zu hohe Luftfeuchtigkeit und andererseits eine Überhitzung.
Eine spezifische Eigenschaft des Honigs ist seine Fähigkeit, je nach Umgebungsbedingungen entweder Feuchtigkeit aufzunehmen oder wieder abzugeben. Ob Honig Wasser aufnimmt oder abgibt, hängt somit stark von seiner Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit seiner Umgebung ab. Kalter Honig nimmt beispielsweise leichter Wasser auf. Bei der Temperatur eines Brutnestes hingegen nimmt derselbe Honig kein Wasser auf, selbst wenn die relative Luftfeuchtigkeit der Umgebung 75 % beträgt. Bei Raumtemperatur kann Honig eine umgebende Luftfeuchte von bis zu etwa 60 % problemlos vertragen.
Auch in der Natur lagern Bienen den Honig bevorzugt in der Nähe des Brutbereichs ein, meist direkt oberhalb, wobei verdeckelte Waben den Honig zuverlässig vor zu hoher Luftfeuchtigkeit schützen. Innerhalb der Bienenstöcke sorgen gut mit Bienen besetzte Honigräume dafür, dass eine konstante, ausreichend hohe Temperatur gehalten wird und der Honig wunderbar eindickt. Werden Honigräume jedoch nicht vollständig besetzt, kann insbesondere nachts bei niedrigeren Außentemperaturen die Wärme sinken und die relative Luftfeuchtigkeit im Honigraum steigen. Statt über Nacht weiterhin Feuchtigkeit abzugeben, beginnen eingedickte Vorräte wieder, die Feuchtigkeit aus ihrer Umgebung aufzunehmen. Laut Büdel (1960b) beginnt der Kampf um die Gewinnung hochwertigen Honigs daher bereits während der Trachtzeit. Die Imker sollten dafür Sorge tragen, dass die Honigräume konsequent bienenbesetzt bleiben und die Honigwaben möglichst bald verdeckelt werden.
Lagern Sie Honig niemals in Räumen mit einer hohen Luftfeuchtigkeit!
(Anmerkung von Vladimír Ptáček: Dieses Phänomen begegnet uns insbesondere in Regionen mit längeren Spätsommerhonigtrachten und kalten Nächten. Vorbeugend sollte man nur spärlich besetzte Honigräume unter das Brutnest platzieren, während lediglich ein einziger, gut besetzter Honigraum darüber verbleibt. Die Bienen transportieren bei dieser Anordnung die Vorräte aus unteren Räumen automatisch nach oben um, wo sie weiter trocknen und zur Ernte konzentriert werden können. Beachten sollte man stets, dass ein hochgradiger Varroabefall eines Bienenvolks dessen Fähigkeit beeinträchtigen kann, Honig ordentlich zu trocknen und einzulagern.)
Eine weitere große Gefährdung für die Qualität des Honigs liegt anschließend bei der anschließenden Lagerung. Imker sollten darauf achten, ihren Honig nicht in Räumlichkeiten mit hoher relativer Feuchtigkeit aufzubewahren. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass Honig nicht in typischen Kellerräumen oder im Freien (bei Regen oder Nebel) gelagert werden darf. Konventionelle Behälter für Honig sind nämlich selten luft- und dampfdicht. Somit dringt überschüssige Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft in die Gefäße ein, falls der Dampfdruck außen höher als im Innern des Gefäßes ist. Dadurch bildet sich zunächst eine feuchte, schwache obere Honigschicht, die mit der Zeit dicker wird und sogar beginnt zu gären. Es empfiehlt sich daher unbedingt, geeignete Honigbehälter mit luftdichtem Verschluss zu verwenden, welche den Inhalt vor Feuchtigkeit schützen.
Lagern Sie Ihren Honig also grundsätzlich an einem trockenen Ort bei Zimmertemperatur. Falls eine Lagerung in kühleren Räumen unumgänglich sein sollte, sollten Sie den Honig wenigstens am wärmsten Platz im betreffenden Raum aufbewahren – dort, wo die relative Luftfeuchtigkeit am niedrigsten ist.





































































































































































































