Professionelle Imkerei
Herr Eminger bewirtschaftet derzeit (2016) 130 Bienenvölker. In diesem Jahr plant er, den Bestand auf 200 Völker zu erweitern. Diese Anzahl – vielleicht sogar noch mehr – würde ihn beruflich komplett als hauptberuflichen Imker einspannen. Ob es aber tatsächlich dazu kommt, bleibt offen. Er empfindet, dass es nicht leicht sein wird, sich im Imkereibereich weiter zu verwirklichen.
Er arbeitet auf dem in Tschechien am weitesten verbreiteten Rähmchenmaß 39 x 24 cm. Im vergangenen Jahr brachten ihm die Völker im Schnitt 30 kg Honig, was im Vergleich zu den Vorjahren kein Spitzenwert war. Die wirtschaftliche Situation des Betriebs bessert er durch den Verkauf von fünfrahmigen Ablegern auf. Das zentrale Problem, das nicht nur Berufsimker betrifft, ist heutzutage der Import von sehr preiswertem ausländischem Honig, der oft nicht die Qualitätsstandards für tschechischen Honig erfüllt. Die tschechischen Verbraucher sollten sowohl in Supermärkten, kleinen Geschäften, auf Märkten als auch ab Hof die Möglichkeit haben, deklarierten tschechischen Honig zu kaufen.
Ist die tschechische Landschaft stellenweise übervölkert von Bienen, und führt das zu Problemen?
Neben klimatischen Bedingungen macht sich die Übervölkerung mit Bienenvölkern in bestimmten Regionen bemerkbar, beispielsweise im Raum Most. Andererseits gibt es auch Fälle, in denen kapitalkräftige Unternehmen ein lohnendes Geschäft darin sehen, sehr schnell große „Mega-Imkereien“ neu aufzubauen. Vor einigen Jahren entstand ein solches Projekt ganz ohne vorherige Tradition beim Unternehmen Zelená Bohdaneč. Das schnelle Erreichen dieses Ziels führte dazu, dass die Imkerei Ableger und Völker aus verschiedenen Gegenden zukaufte – leider auch aus Gebieten, die von der amerikanischen Faulbrut betroffen waren, so dass diese Krankheit in die Imkerei eingeschleppt und dort unter Aufsicht von Tierärzten beseitigt werden musste.
Ein ähnliches Vorhaben hatte kürzlich ein finanzstarker Investor in Südmähren, wo er eine Imkerei mit ungefähr 5.000 Bienenvölkern aufbauen wollte. Es ist aber ein Unterschied, ob eine familiengeführte Imkerei mit bis zu tausend Völkern innerhalb von Jahrzehnten oder sogar Generationen wächst, oder ob aus einem reinen Businessplan in einem oder zwei Jahren auf der „grünen Wiese“ eine solche Großimkerei entsteht. Regional kommt es so zur Übervölkerung der Landschaft durch Bienen, was sich sowohl bei Investoren als auch den umgebenden Imkern durch geringeren Honigertrag bemerkbar macht.
Werden blühende Wiesen zunehmen?
In vielen Teilen unseres Landes macht sich die Übervölkerung mit Bienenvölkern bereits durch sinkende Honigproduktion bemerkbar. Häufig mähen Landwirte die Wiesen noch vor der Blüte, was für sie wirtschaftlich sinnvoller ist. Nach dem Verblühen des Rapses – dessen Behandlung mit Pestiziden in manchen Gegenden ebenfalls ein Problem für Imker darstellt – blüht auf den Wiesen fast nichts mehr, und die Bienen leiden auch mitten im Sommer an Futtermangel. Ein möglicher Ansatz wäre die Anlage und Pflege blühender Wiesen, die den Bienen reichlich Pollen und Nektar bieten würden.
Wie hoch sind die Anfangsinvestitionen für einen Imker, der 200 Bienenvölker zum Ziel hat?
Ein äußerst sparsamer Imker benötigt mindestens 5 Millionen Kronen, um eine solche Imkerei wirtschaftlich betreiben zu können. Teurere Ausrüstungen werden teilweise auf Raten gekauft. Zu den kostenintensiven Posten gehört zum Beispiel die Anschaffung verschlossener Lager für die Wabenlagerung in kühler Umgebung, damit sich die Wachsmotte nicht vermehrt. Auch die Ausstattung des Honigraums muss veterinär- und hygienerechtlichen Anforderungen entsprechen. Außerdem werden Geräte zur Wachsverarbeitung und weitere imkerliche Technik benötigt. In diesem Jahr investiere ich beispielsweise in Wanderpaletten, von denen jede 16 Beuten aufnehmen kann.
Lässt sich eine große Imkerei mit anderen Geschäftsformen kombinieren?
Die Erfahrungen zeigen, dass es für eine Imkerei sinnvoll ist, zusätzliche Aktivitäten zu entfalten. Traditionelle Ergänzungen sind beispielsweise eine eigene Tischlerei, der Verkauf von Bienenprodukten, Ablegern, Königinnen oder Imkereibedarf im Familienbetrieb. Geeignete Ergänzungen sind auch die Herstellung von Met, Agrotourismus, ein Bildungszentrum oder – in Zusammenarbeit mit Fachleuten – verschiedene Formen der Apitherapie.
In der stillen Saison in der Imkerei kann etwa die Produktion von Kerzen und gegossenen Wachsfiguren erfolgen. Es ist immer von Vorteil, Einkünfte auf mehrere Tätigkeiten zu verteilen, was die Wirtschaftlichkeit der Imkerei stabilisiert.
Ing. Zdeněk Kulhánek




































































































































































































