Imkerei in Lettland: Tradition und Gegenwart in der Bienenhaltung

Wir bringen Ihnen einen interessanten Einblick in die Welt der Imker in Lettland, wo die Bienenvölker trotz anspruchsvoller klimatischer Bedingungen gedeihen. Dieser Beitrag wurde von Imkern des Betriebs ZS Jaunspieki verfasst, mit dem wir seit Langem bei der Lieferung von Carnica-Königinnen zusammenarbeiten.

Ein Gruß von den lettischen Imkern

In diesem Jahr haben wir in Lettland den ersten Reinigungsflug bereits am 25. Februar beobachtet. Die Frühjahrsdurchsicht der Bienenvölker erfolgte Anfang April, wobei der genaue Termin vom aktuellen Wetter abhängt. Die Autoren des Artikels – Janis Purins vom Betrieb ZS Jaunspieki, einer der wichtigsten Bienenproduzenten in Lettland, und die Spezialistin für instrumentelle Besamung Agnese Smilga-Spalvina – stellen ihre Arbeit vor. Dazu gehört die Zuchtarbeit mit rund tausend Bienenvölkern von vier Bienenrassen: A. m. ligustica, A. m. carnica, A. m. carpathian und Buckfast.

Die Imkerei in Zahlen

In Lettland sind derzeit etwa 3 600 Imker aktiv, die 105 000 Bienenvölker bewirtschaften und jährlich ungefähr 2 450 Tonnen Honig gewinnen (Angaben des Lettischen Imkerverbandes aus dem Jahr 2023). Die Bienendichte beträgt 1,6 Völker pro km2. Zu den wichtigsten Nektarquellen zählen die Wälder, die 51 % der Landesfläche ausmachen. Zu den häufigsten Kulturen für die Bestäubung gehören Raps, Buchweizen, Ackerbohne, Apfelbäume oder Heidelbeeren.

Lettische Imker erzeugen eine große Vielfalt an Sortenhonigen, zum Beispiel Linden-, Löwenzahn-, Apfelblüten-, Raps-, Buchweizen- oder Heidehonig. Im Jahr 2023 überwog ein sehr hochwertiger Waldhonig (Honigtauhonig).

Bienenrassen und Königinnen

In Lettland sind Königinnen der Linien A. m. carnica, A. m. carpathian, A. m. ligustica sowie Buckfast verbreitet. Buckfast gehört beispielsweise zu den beliebtesten, in den kühleren Regionen im Osten des Landes sind jedoch häufiger Völker der Rasse A. m. carnica anzutreffen. Mit Carnica-Königinnen des Typs Carnica Cimala haben wir sehr gute Erfahrungen: Sie sind sanftmütig, bauen starke Völker auf, zeigen eine geringe Schwarmneigung und überwintern ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr stellten die Völker die Brut erst im November ein.

Saison, Überwinterung und klimatische Bedingungen

Die Vorbereitung der Bienenvölker auf den Winter und die Auffütterung erfolgen üblicherweise im September und Anfang Oktober. Von November bis Januar sind die Völker meist brutfrei. Kaltes Wetter und eine ausgeprägte Schneedecke halten oft bis in den April an. Die Winter unterscheiden sich von Jahr zu Jahr – dieses Jahr war er milder, wir haben jedoch auch starke Fröste erlebt (im Januar in Zentrallettland: -11 °C bis -26 °C). Die Länge der Wintersaison variiert je nach Region: Die westlichen Gebiete an der Ostsee haben mildere Winter als der Osten.

Die Aktivität der Bienenvölker setzt Ende März und Anfang April mit den ersten Einträgen von Pollen und Nektar (vor allem von Weiden) wieder ein. Die Haupttracht kommt im Mai und Juni. Im Juli nehmen die natürlichen Trachtquellen ab, weshalb Imker häufig zusätzliche Trachtpflanzen aussäen, etwa Phacelia, Borretsch oder Buchweizen. Die wichtigste Nektarquelle im August ist dann die Heide.

Beutentypen und Ausstattung

In Lettland verwenden Imker verschiedene Beutentypen – von Polystyrolbeuten aus Finnland oder Polen über mehrzargige Holzbeuten und norwegische Beuten bis hin zum traditionellen lettischen Ständerstock (Latvian standing beehive). Dieser Ständerstock besteht aus Boden, Brutraum, zwei Honigraumzargen und einem Dach.

Im Brutraum werden Rähmchen im Dadant-Blatt-Format verwendet (435 mm × 300 mm, Oberträger 465 mm, Rähmchenabstand 37 mm) mit einer Kapazität von 15 Rähmchen. Für die Honigräume sind spezielle Holzzargen vorgesehen, die 12 Rähmchen aufnehmen (Größe 435 mm × 145 mm, Oberträger 465 mm, Wabengassenabstand 45 mm). Durch den größeren Abstand haben die Honigwaben tiefere Zellen mit größerem Fassungsvermögen, jedoch verdeckeln die Bienen den Honig manchmal mit etwas Verzögerung. Das Brutraumvolumen des Ständerstocks beträgt 81,7 l, und ein starkes Volk kann während der Hauptsaison das Bienenvolumen bis auf das Dreifache steigern. Diese Beuten sind robust und werden meist von zwei Personen versetzt, eignen sich jedoch ideal für Standimkerei. Ihre Stabilität bei Wind und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Wildtieren sind deutlich höher als bei Polystyrolbeuten.

Vielfalt imkerlicher Vorgehensweisen

Haltungsweisen, Beutentypen und die Wahl der Bienenrassen unterscheiden sich unter lettischen Imkern. Am wichtigsten ist stets, eine Arbeitsweise zu wählen, mit der sich der Imker wohlfühlt und mit der er die bestmöglichen Ergebnisse erzielen kann.

Aus der Zeitschrift „Včelařství“ Übersetzung: Ing. Pavel Cimala Janis Purins und Agnese Smilga-Spalvina, Lettland