Die Gefahren von Zementhonig im Bienenstock
Der sogenannte Beton- oder Zementhonig ist technisch als Melezitosehonig bekannt und entsteht hauptsächlich durch Honigtau. Obwohl angenommen wurde, dass Melezitose meist auf Lärchen vorkommt, ist mittlerweile klar, dass Melezitose durch Honigtau von verschiedensten Baumarten produziert wird, insbesondere dann, wenn sich darauf Blattlauspopulationen etablieren. Das Auftreten von Zementhonig unterscheidet sich regional enorm und tritt überwiegend von August bis September auf. Je später die Tracht eintretet, desto höher ist ihr Risiko für das Überwintern der Bienen. Daher sollten Imker in dieser Periode besonders aufmerksam und wachsam sein.
Honigtau weist häufig einen hohen Gehalt an dem stark kristallisierenden Trisaccharid Melezitose auf, das für die Entstehung des gefürchteten Zementhonigs sorgt. Bereits nach etwa drei Tagen kristallisiert die von Bienen eingetragene Honigtau in den Wabenzellen, lässt sich nicht mehr ausschleudern und ist für das Volk als Winterfutter wertlos. Im schlimmsten Fall verhungern die Bienen oder bekommen im Winter eine schwere Nosematose (Durchfall). Das Risiko hierfür hängt wesentlich vom Kristallisationsgrad, der Menge und dem Ort der Melezitose-Einlagerung ab.
Zum Überleben des Volkes nach einer problematischen Melezitose-Tracht ist es entscheidend, dass Wintertraube und Melezitosehonig vor dem ersten Reinigungsflug im Frühjahr (Ende März bis Anfang April) nicht zusammentreffen. Positiv anzumerken ist, dass der Wintervorrat nicht extrem hoch sein muss, um ein Bienenvolk gut durch den Winter zu bringen. Nach einer Melezitose-Tracht sollten idealerweise 10–15 kg hochwertiges Zuckerfutter (aus weißem Rübenzucker) eingefüttert werden.
Zementhonig-Situation erkennen und entgegenwirken
Eine Melezitose-Tracht erkennt man insbesondere in waldreichen Gebieten gelegentlich, aber in unregelmäßigen Abständen. Bei jeder Honigtautracht sollten Imker aufmerksam sein.
Unverkapselte Waben müssen regelmäßig auf beginnende Kristallisation kontrolliert werden. Der erste sichtbare Hinweis ist eine stumpf und matt gewordene Zellfüllung. Mit einem Zahnstocher kann geprüft werden, ob die Kristallisation bereits in der Zelle begonnen hat. Weiteres Anzeichen sind beim Schleudern aus der Zelle herausschießende „Stöpsel“. Sobald dies vorkommt, sollten die ausgeschleuderten Waben unbedingt vor dem Zurückhängen in die Bienenstöcke gut mit Wasser eingesprüht werden. Das hilft, die weitere Kristallisation hinauszuzögern. Schleudern Sie häufig und halten Sie die Lagerzeit der geschleuderten Waben möglichst kurz oder verzichten Sie ganz darauf.
Praxiserprobte Methode aus Österreich zur Bekämpfung von Zementhonig
Insbesondere in Österreich sind viele Imker regelmäßig mit Zementhonig konfrontiert, was größtenteils auf die Eigenschaften der dortigen Wälder zurückzuführen ist. Die hier verbreitete Methode ist einfach und effektiv: Bei starkem Melezitose-Aufkommen wird über der obersten Brutraumzarge eine leere Halbzarge ohne Rähmchen aufgesetzt. Die Bienen beginnen schnell mit dem wilden Bau, den sie mit Zementhonig füllen. Dieser Wildbau lässt sich anschließend auf etwa 70–75 °C erwärmen, wodurch das Wachs schmilzt. Der dabei gewonnene Honig eignet sich ausgezeichnet zur Herstellung von Met, zum Backen oder in der Küche. Diese Methode zeigt, wie gut sich ein Problem in wertvolle Produkte verwandeln lässt.
Wie helfe ich dem Bienenvolk nach der Melezitose-Tracht?
Sollten Sie eine starke Melezitose-Tracht bemerken, gehen Sie folgendermaßen vor:
Entfernen Sie aus dem Brutraum alle Waben mit Melezitosehonig (außer Randwaben, die maximal zu einem Drittel voll sind). Behalten Sie nur Brutwaben und Waben mit wenig Melezitose.
Eingeschobene leere Waben (saubere ausgebaute Leerwaben) ersetzen die entnommenen mit Melezitose verseuchten Waben und werden zwischen verbleibende Brutwaben eingehängt.
Füttern Sie mindestens 10–12 kg Zucker ein.
Auf diese Weise sichern Sie genießbaren Wintervorrat. Auch eine späte Fütterung Ende September ist unbedingt empfehlenswert. Wenn die Bienen die Nahrung nicht mehr aufnehmen wollen, helfen Sie gezielt mit zusätzlicher Erwärmung des Futters.
Keine sauberen Leerwaben mehr – was tun?
Sollten keine zusätzlichen Leerwaben zur Verfügung stehen, können Sie diese Methode anwenden:
Entnehmen Sie Waben mit verhärtetem Zementhonig, entdeckeln Sie diese und sprühen Sie sie gründlich mit Wasser ein (Sprühflasche, Dusche usw.), um die Kristallisation aufzuweichen.
Tauchen Sie die Waben anschließend vollständig unter Wasser und drücken Sie sie leicht nach unten, um sie unter Wasser zu halten.
Nach 2–3 Tagen Einweichzeit schleudern Sie den gelösten Honig aus (bei Bedarf mehrfach wiederholen).
Getrocknete leere Waben können erneut verwendet werden.
Das beim Einweichen entstandene Süßwasser ist allerdings nicht weiter verwendbar (unangenehmer Geruch, Nosema-Sporenrisiken).
Reinigung von Zementhonig-Waben durch Bienenvölker selbst
Im Frühjahr nutzen Imker teilweise das Volk selbst zur Reinigung von Melezitosewaben.
Tauchen Sie die betroffenen Waben ins Wasser ein (siehe oben).
Im Frühjahr (Ende März oder Anfang April) platzieren Sie diese Waben direkt am Flugloch oder als unterste Zarge. Die Bienen entfernen Kristalle und nutzen flüssige Anteile, was auch stimulierend auf das Brutgeschäft wirkt.
Fazit und Empfehlungen
Die Pflege von Bienenvölkern mit Zementhonig-Einlagerungen ist anspruchsvoll. Berücksichtigen Sie jedoch unbedingt deren Wert und versuchen Sie neue Vorgehensweisen und Hilfsmittel, um Ihre Bienen gesund und erfolgreich durch den Winter zu begleiten.




































































































































































































