Europäische Faulbrut – eine aktuelle Bedrohung der tschechischen Imkerei

Aktuelle Situation in der Tschechischen Republik

Die Europäische Faulbrut nimmt erneut zu und bereitet den Imkerinnen und Imkern erhebliche Sorgen. Nach zwanzig Jahren ohne Auftreten dieser gefährlichen bakteriellen Seuche wurde sie 2015 an zwei Bienenständen unterhalb der Schneekoppe sowie in Horní Maršov dokumentiert. Es folgten Fälle in den Regionen Liberec und Hradec Králové, wo als notwendige Maßnahme die gesamten befallenen Bienenvölker samt Beuten gemäß den gesetzlichen Vorgaben beseitigt und verbrannt wurden.

Dank konsequenter Schutzmaßnahmen konnte die Ausbreitung der Krankheit in den vergangenen Jahren eingedämmt werden. Leider wurden 2024 im Bezirk Šumperk sowie in der Umgebung von Jablunkov neue Seuchenherde gemeldet, was die Sorge vor einer Ausbreitung dieser Infektion in Mähren und weiteren Teilen Tschechiens erneut verstärkt hat.

Charakteristik der Europäischen Faulbrut

Die Europäische Faulbrut zählt zu den gefährlichen Bienenkrankheiten und wird als ernst zu nehmende anzeigepflichtige Seuchenlage betrachtet. Obwohl sie in fremdsprachiger Literatur teilweise als „European foulbrood“ bezeichnet wird, ist ihr Vorkommen nicht auf Europa beschränkt, sondern sie ist überall dort bekannt, wo die Honigbiene verbreitet ist.

Erreger

Der Hauptverursacher ist das Bakterium Mellissococcus plutonius. Dieses Bakterium kommt in unterschiedlichen Stämmen vor, und die Larven werden sekundär häufig auch von weiteren bakteriellen Arten (z. B. Streptococcus fecalis, Paenibacillus alvei u. a.) befallen, was zu einer Variabilität der Symptome und des Krankheitsverlaufs führt.

Ausbreitung der Infektion

Zur Infektion kommt es vor allem durch Verflug fremder Bienen oder über kontaminiertes Wasser. Die Verbreitung wird häufig auch durch das Verbringen von Waben und die Nutzung gemeinsam verwendeter Geräte begünstigt. Einen großen Anteil an der Ausbreitung haben zudem Imkerinnen und Imker, wenn grundlegende Maßnahmen der Betriebshygiene nicht eingehalten werden.

Inkubationszeit und Verlauf

Die Inkubationszeit ist sehr kurz; erste Anzeichen können bereits innerhalb von 48 Stunden nach der Ansteckung auftreten. Meist infiziert sich die Larve über das Futter; je nach Bakterienstamm und Gesundheitszustand stirbt sie noch vor der Verdeckelung oder kurz danach ab.

Symptome und Erkennung der Faulbrut

Die Erkrankung zeigt sich durch das Zusammensacken und die Farbveränderung der Larven – sie wirken blass, dunkeln allmählich bis schwarz nach und verlieren ihren Muskeltonus. Im Vergleich zur Amerikanischen Faulbrut ziehen die Larven keine „Fäden“ (keine Fadenziehprobe), vielmehr bleibt in der Zelle lediglich eine schwarze, glänzende Kruste zurück. Klinisch lässt sich die Europäische Faulbrut mit anderen Erkrankungen (Amerikanische Faulbrut, Virusinfektionen) verwechseln; Sicherheit liefert daher nur eine Laboruntersuchung, idealerweise mittels PCR.

Die erste Abwehrreaktion des Volkes besteht im aktiven Ausräumen und Entfernen infizierter Larven. Leider kann dadurch auch eine weitere Verschleppung der Erreger innerhalb der Beute und zu benachbarten Völkern begünstigt werden.

Rechtliche Vorgaben und Maßnahmen beim Auftreten

Das Veterinärgesetz (Nr. 166/1999 Slg.) verbietet ausdrücklich die Behandlung der Europäischen Faulbrut. Bei bestätigtem Befall wird gemäß der Verordnung 144/2023 Slg. sowie nach den außerordentlichen veterinärrechtlichen Maßnahmen vorgegangen, die für jeden Seuchenherd von der regionalen Veterinärverwaltung erlassen werden. Die häufigste Maßnahme ist die Beseitigung ganzer Bienenvölker einschließlich der Beuten durch Verbrennen sowie gegebenenfalls die Desinfektion der Ausrüstung. Derzeit gibt es in Europa kein zugelassenes Arzneimittel, da Honigbienen und insbesondere Honig keine Antibiotikarückstände enthalten dürfen.

Wichtig ist, bereits bei Verdacht nichts zu versäumen: umgehend die regionale Veterinärverwaltung informieren, Wanderungen bzw. Verbringungen von Völkern unterbinden und sich auf eine mögliche Wiederaufbauphase der Imkerei mittels Ablegern an einem neuen Standort vorbereiten.

Forschung und neue Möglichkeiten der Vorbeugung

Während eine wirksame Behandlung der Europäischen Faulbrut fehlt, konzentriert sich die moderne Forschung vor allem auf die Nutzung des natürlichen Mikrobioms der Bienen und die Entwicklung probiotischer Ergänzungen. Ergebnisse ausländischer Studien (z. B. mit dem probiotischen Stamm Lactobacillus plantarum) deuten darauf hin, dass sich das Auftreten der Faulbrut durch gezielte Unterstützung der Darmmikroflora der Bienen verringern lässt. Auch in Tschechien entsteht ein neues probiotisches Präparat „Včelí štít“, entwickelt auf Basis nützlicher Bakterien aus widerstandsfähigen Bienenvölkern.

Desinfektion und Sanierung

Zur Reinigung von Ausrüstung und Beuten nach einem Faulbrutbefall werden neuere Desinfektionsmittel wie FAM30 (Jodophor) oder GPC8 (Glutaraldehyd und quartäre Ammoniumverbindungen) empfohlen. Desinfektionsverfahren müssen jedoch sehr konsequent durchgeführt werden, und ein hundertprozentiger Erfolg lässt sich nicht immer garantieren – insbesondere bei älteren und konstruktiv komplexen Beuten.

Vorbeugung und imkerliche Maßnahmen

Empfehlungen in der Haltungspraxis

  • Halten Sie ausschließlich vitale und starke Bienenvölker.

  • Verhindern Sie das Verhungern von Völkern; ergänzen Sie Vorräte nur über Futtereinrichtungen innerhalb der Beute.

  • Beugen Sie dem Schwärmen vor und schlagen Sie keine herrenlosen Schwärme unbekannter Herkunft ein.

  • Bringen Sie keine alten Waben, leeren Beuten oder fremdes Material an den Stand.

Konsequente Hygiene

  • Erneuern Sie jährlich mindestens ein Drittel des Wabenbaus.

  • Verwenden Sie Mittelwände aus eigenem Wachs oder aus verifizierten Quellen.

  • Reinigen Sie regelmäßig Beutenböden und den Bereich um die Beuten; nicht benötigte Ausrüstung entsorgen Sie.

  • Nutzen Sie nach der Reinigung jodhaltige oder andere wirksame Desinfektionsmittel.

Laboruntersuchungen

  • Lassen Sie vor Kauf und Verkauf von Bienenvölkern stets einen Labortest durchführen.

  • Bevorzugen Sie PCR-Untersuchungen zur zuverlässigen Abgrenzung ähnlicher Krankheitsbilder.

  • Scheuen Sie sich nicht, an flächendeckenden Monitoring-Aktionen teilzunehmen.

  • Bei verdächtigen Veränderungen kontaktieren Sie umgehend erfahrene Imkerinnen/Imker oder ein Labor.

Fazit

Die Europäische Faulbrut ist erneut eine ernsthafte Herausforderung für die tschechische Imkerei. Jeder Verdacht ist ein Grund, Untersuchungen einzuleiten und rasch zu handeln. Moderne Betriebsweisen, konsequente Hygienemaßnahmen und eine aktive Weiterbildung der Imkerinnen und Imker sind die Hoffnung, die Auswirkungen dieser gefährlichen Seuche zu begrenzen und die Gesundheit der Bienen sowie die Produktion hochwertigen tschechischen Honigs zu schützen.

Sollten sich auch in Ihren Völkern verdächtige Anzeichen zeigen, nutzen Sie ohne Zögern Laboruntersuchungen und fachliche Beratung. Durch Zusammenarbeit lässt sich das Risiko der Faulbrut minimieren und unnötigen Verlusten vorbeugen.

Quellen und Literatur

  • White, G. F. (1907). The cause of American foul brood (No. 94). US Government Printing Office

  • White, G. F. (1912). The cause of European foul brood (No. 157). US Government Printing Office

  • Danihlík, J., et al. Vyšetřování hniloby a moru včelího plodu na Liberecku, Moderní včelař, 2024, 8: 26-28.

  • Moharrami, M., et al. Role of honey bee gut microbiota in the control of American foulbrood and European foulbrood diseases. Archives of Razi Institute, 2022, 77.4: 1331

  • Pietropaoli, M., et al. Use of Lactobacillus plantarum in preventing clinical cases of American and European foulbrood in central Italy. Applied Sciences, 2022, 12.3: 1388.

Autor: Ing. Dalibor Titěra, CSc., VÚVč Dol