Über Bienen und Menschen
Seit 1988, also seit meinem fünfzehnten Lebensjahr, widme ich mich der Imkerei. Aus einem Hobby wurde ein Beruf, und heute kümmere ich mich um etwa 120 Bienenvölker an der Grenze der Bezirke Pardubice und Chrudim.
Imkerliche Herausforderungen
Imker sehen sich zahlreichen Aufgaben gegenüber: Krankheiten, Schädlinge, Witterungseinflüsse und das Verhalten der Menschen. Manche Konflikte ergeben sich besonders durch landwirtschaftliche Praktiken, wie den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln oder einseitige Fruchtfolgen, die Bienen kaum Nahrungsquellen bieten. Allerdings helfen auch starke Reaktionen von Imkern auf Sprühgeräte, die schlicht Blattdünger ausbringen, nicht dem gegenseitigen Verständnis.
Viele Imker wissen oft nicht, wie streng der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern in der Landwirtschaft reguliert ist. Für viele wäre es ideal, wenn keinerlei Chemikalien verwendet würden. Doch auch Imker benutzen gegen die Varroa-Milbe spezielle Wirkstoffe (Akarizide). Ohne diesen Schutz würden viele Bienenvölker zugrunde gehen. Genauso benötigen Landwirte bei der Feldarbeit Pflanzenschutz, um Ernteverluste zu begegnen. Alternativen wie gezielte, nach Monitoring ausgewählte Maßnahmen befinden sich noch in Forschung und Erprobung.
Zusätzliche Schwierigkeiten können durch die Platzierung von Bienenständen in Wohngebieten und in der Nachbarschaft entstehen – typische Probleme sind Auseinandersetzungen wegen durch Bienen verursachter Belästigung, zum Beispiel bei Schwimmbecken.
Beziehung zwischen Imkern und Landwirten
Imker und Landwirte sind aufeinander angewiesen, doch oft fehlt das gegenseitige Verständnis. Bienen liefern Honig, Wachs und andere Produkte, doch ihr wichtigster Beitrag liegt in der Bestäubung – insbesondere im Frühling, wenn die Obstbäume blühen. Bienen sind dann der zahlenmäßig wichtigste Bestäuber.
Die kontroverse Raps-Frage
Winterraps ist eine häufig diskutierte Kulturpflanze. Viele lehnen ihn ab, dennoch bleibt er in einigen Regionen oft die wichtigste – manchmal sogar einzige – Trachtquelle. In der Fruchtfolge ist Raps zudem eine nützliche Vorfrucht und wirkt als Getreidewechsel. Die Meinungen zum Raps sind vielfältig, wobei sich gerade fachfremde Personen oft lautstark zu Wort melden. Werden in einer Region weniger Rapsflächen angebaut, sinkt oft die Honigernte signifikant.
Bienenweide und Artenvielfalt
Nektar- und Pollenquellen sind ein zentrales Thema für die Imkerei. Es zählt nicht nur die Menge, sondern auch die Vielfalt der Tracht. Eine interessante Lösung bieten sogenannte Blühstreifen am Feldrand mit 9–18 Metern Breite. Diese Beete umfassen Pflanzen wie Sonnenblumen, Phacelia, Senf, Ackerbohnen, Hirse, Buchweizen und mehr. Blühstreifen bieten zahlreiche Vorteile: Sie stellen Nektar und Pollen für Bienen und andere Insekten bereit, bieten Lebensraum und Nahrung für Wildtiere und fördern die Biodiversität. Indem sie an weniger fruchtbaren Feldrändern angelegt sind, wird der Boden optimal genutzt. Die Kosten für das Anlegen solcher Streifen werden durch Fördermittel abgedeckt – eine aus meiner Sicht sehr sinnvolle Maßnahme. Ähnlich funktionieren Wildäcker auf nicht bewirtschafteten Flächen.
Nicht nur Landwirte beeinflussen die Menge und Vielfalt der Bienenweide. Auch Gemeinden können mit gezielter Pflanzung von bienenfreundlichen Kräutern, Bäumen und Sträuchern und angepasster Wiesenpflege wertvolle Lebensräume schaffen. So habe ich etwa in London beobachtet, dass langweilig getrimmte Rasenflächen immer seltener werden – bunte Wildblumenwiesen werden gefördert. Den Trend sehen wir vermehrt in trockenen Sommern und Gemeinden legen inzwischen blühende Beete und Wiesen an, auf denen Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele Insekten unterwegs sind.
Jeder kann beitragen
Jeder Grundstücksbesitzer kann die Bienen und andere Insekten unterstützen. Viele Leute sprechen mich an, weil sie gerne Bienen auf ihrem Grundstück hätten, jedoch fehlt ihnen die Zeit, sich darum zu kümmern. Ich erkläre immer, dass Bienen Nutztiere sind und bestimmten veterinärrechtlichen Vorschriften unterliegen. Wer keine Bienen halten kann, sollte über Hummeln oder Nisthilfen für Wildbienen nachdenken. Schon das Pflanzen einiger blühender Sträucher, Kräuter und Blumen kann viele nützliche Insekten, darunter Bienen, anziehen.
Glücklicherweise ändert sich das Denken: Der Trend geht zu naturnäheren Gärten statt langweiliger Koniferenpflanzungen und undurchdringlichen Thuja-Hecken. Der wahllose Einsatz von Herbiziden nimmt ab und immer mehr Menschen interessieren sich für den eigenen Gemüse- und Kräuteranbau, das Einkochen von Obst und Gemüse, das Fermentieren oder sogar das eigene Marmeladekochen. Sie wollen unabhängig sein und nicht auf geschmacksarme Massenware der Handelketten angewiesen bleiben.
Gemeinsame Anstrengung
Mit diesem Beitrag möchte ich auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit Bienen und Menschen hinweisen, ohne unnötige Hürden zwischen Imkern, Landwirten, Nachbarn und Gemeinden aufzubauen. Lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen, die allen Beteiligten Freude und Nutzen bringen.
Aus: Imkerzeitschrift
Text: Martin Hromádko




































































































































































































