Wenn man von Kastanie spricht: Kastanie ist nicht gleich Kastanie
Herbst und braune, glänzende Kastanien, die aus ihrer stacheligen Schale fallen, gehören untrennbar zusammen. Kinder sammeln sie unter majestätischen Bäumen und basteln daraus beliebte Figuren. Der Urheber dieser Kastanien ist die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), die vom Balkan stammt.
Obwohl das Wort „aesculus“ essbar bedeutet, ist die Rosskastanie definitiv nicht essbar. Ihr Verzehr kann Übelkeit, Krämpfe und mitunter Erbrechen verursachen. Die Bezeichnung „Rosskastanie“ ist zudem irreführend, denn sie ist für Pferde giftig. Im Gegensatz dazu schätzt das Schalenwild die Kastanien wegen ihres hohen Eiweißgehalts von etwa 10 %, was sie zu einem nahrhaften Futtermittel macht.
Kastanien werden sowohl in der pharmazeutischen Industrie als auch in der Volksmedizin genutzt. Unsere Vorfahren schrieben diesen Früchten eine wundersame Kraft zu – sie empfahlen, so viele Kastanien zu sammeln wie das eigene Alter plus eine, diese in einen Stoffbeutel zu stecken und unter das Kopfkissen bis zum Frühjahr zu legen. Weniger Mutige können auch einfach ein paar Kastanien in den Taschen mit sich tragen.
Im Mai und Juni blüht die Rosskastanie. Aus ihren großen, klebrigen Knospen treiben bis zu 25 cm große gefingerte Blätter, und es erscheinen imposante, bis zu 30 cm lange, aufrechte Blütenstände. Die Kronblätter sind weiß mit gelben und roten Flecken – dies lockt Bienen an, die hier eine reiche Quelle von Nektar und roten Pollen finden.
Leider wird dieser prächtige Baum von einer bakteriellen Krankheit bedroht: der Schleimflusskrankheit, die in Tschechien erstmals 2010 auftrat. Es gibt keinen Schutz dagegen und in Westeuropa hat sie bereits viele Bäume geschädigt, insbesondere solche, die durch die Miniermotte geschwächt sind. Ihre Raupen fressen die Blätter, was dazu führt, dass der Baum austrocknet und bis zu 40 % seiner Energie verliert.
Wer sich entscheidet, eine Rosskastanie zu pflanzen, sollte den nötigen Platzbedarf für ihr Wachstum berücksichtigen. Ein starker Rückschnitt sollte vermieden werden, um nicht den Befall mit holzzerstörenden Pilzen zu riskieren, die ältere Bäume schädigen. Man muss bedenken, dass die erholsame Kühle einer mächtigen Baumkrone viel Geduld braucht – unter optimalen Bedingungen kann der Baum bis zu 300 Jahre alt werden.
Alternative robuste Arten: Rote und Kleinblütige Rosskastanie
Für alle, denen die Gefahr durch die Miniermotte Sorge bereitet, kann die Rote Rosskastanie (Aesculus x carnea) eine richtige Wahl sein. Sie ist resistenter gegen diesen Schädling und blüht etwa eine Woche später. Diese Kastanie zeichnet sich durch glatte Blätter und auffällige rosarote Blüten aus; die Sorte 'Briotii' hat intensiv rote Blüten. Die Fruchtschalen sind entweder glatt oder nur leicht höckrig. Neben Bienen werden auch Hummeln und andere Insekten angezogen.
Weniger bekannt, aber sehr interessant ist die Kleinblütige Rosskastanie (Aesculus parviflora), die nur 3–4 Meter hoch wird. Dennoch eignet sie sich kaum für kleine Gärten, da sie sich durch unterirdische Ausläufer bis zu 10 Meter ausbreiten kann! Ihre weißen Blüten mit herausragenden Staubblättern sind in schlanken, aufrechten Rispen von bis zu 35 Zentimetern gruppiert, die deutlich über das Laub emporragen. Die Kleinblütige Rosskastanie blüht von Juli bis August, wenn das Angebot an Pollen bequem schon etwas geringer ist.
Obwohl wir über Rosskastanien sprechen, führt uns die Erwähnung der Kastanie auch zu einer anderen Pflanzenart. Das volkstümliche Wort „Rosskastanie“ ist irreführend. Die echte Esskastanie ist die Frucht des Edelkastanienbaums, einer völlig anderen Pflanze. Mehr dazu erfahren Sie auf der Innenseite der hinteren Umschlagseite.
Aus der Zeitschrift Imkerei: Ing. Miroslava Novotná





































































































































































































