Pollen hilft, die Empfindlichkeit von Honigbienen gegenüber Pestiziden zu verringern

Zusammenfassung: Zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Pollen eine Schlüsselrolle in der Ernährung der Honigbiene (Apis mellifera) spielt und für ihre Gesundheit unverzichtbar ist. Der regelmäßige Verzehr von Pollen stärkt das Immunsystem der Bienen und erhöht ihre Widerstandskraft gegenüber verschiedenen Krankheiten. Einige Pollenarten wirken jedoch günstiger auf Bienen als andere – abhängig vom Nährstoffgehalt und von pflanzlichen Inhaltsstoffen, die sich je nach botanischer Herkunft des Pollens unterscheiden. Dennoch bleibt die Frage offen, wie sich eine pollenbasierte Ernährung auf die Empfindlichkeit der Bienen gegenüber den Wirkungen von Pestiziden auswirkt.

Im Rahmen unserer Studie untersuchten wir, wie zwei unterschiedliche Pollenmischungen (Pollen S und BQ) die Empfindlichkeit von Bienen gegenüber dem Insektizid Sulfoxaflor beeinflussen, das in seiner Wirkweise ähnlich wie die bekannten Neonicotinoide ansetzt. Es zeigte sich, dass eine regelmäßige Pollenversorgung die Widerstandsfähigkeit der Bienen gegenüber diesem Pflanzenschutzmittel deutlich stärkt – sowohl bei einmaliger als auch bei längerfristiger Exposition (über 10 Tage).

Bei einer langfristigen Belastung der Bienen mit Sulfoxaflor senkte eine pollenreiche Ernährung das Sterberisiko signifikant. Bei Bienen ohne Pollen führte bereits eine niedrige Sulfoxaflor-Konzentration zu einer bis zu 1,5-fach höheren Sterblichkeit, während Bienen mit Pollenkonsum kein erhöhtes Risiko zeigten. Bei hoher Pestizidkonzentration stieg die Sterblichkeit bei Bienen ohne Pollen auf das Zwölffache, bei Bienen mit Pollen hingegen „nur“ auf das Fünffache. Zudem wurde festgestellt, dass die Zusammensetzung der Pollenmischung die Toleranz beeinflusst: Bienen, die mit der Pollenmischung S gefüttert wurden, waren widerstandsfähiger gegenüber dem Pestizid als jene, die die Mischung BQ erhielten.

Diese Ergebnisse hängen mit der Entgiftungsleistung der Bienen zusammen: Die Sulfoxaflor-Konzentration war bei Bienen mit der Pollen-S-Diät am stärksten reduziert. Vermutlich spielt dabei der niedrigere Gehalt an p-Cumarsäure in dieser Mischung eine Rolle. Studien zeigen, dass moderate Mengen dieser Säure für Bienen vorteilhaft sind, während höhere Konzentrationen als schädlich gelten können.

Die Ergebnisse bestätigen somit, dass Qualität und Verfügbarkeit von Pollen den Abbau und die Ausscheidung von Pestiziden aus dem Körper der Bienen erleichtern und dadurch ihre Gesundheit schützen. Eine Verarmung an blühenden Pflanzen in Agrarlandschaften kann daher das Risiko durch Pestizide erhöhen. Der Erhalt bzw. die Wiederherstellung blütenreicher Flächen ist deshalb ein weiterer wichtiger Schritt zum Schutz der Bienenvölker und des gesamten Ökosystems.

Aus imkerlichen Übersetzungen: Übersetzung Eva Kubešová nach L. Barascou, D. Sene, A. Barraud, D. Michez und Kollegium ...