Was lässt sich aus der Stockwindel mit Gemüll ablesen?
Die Bodeneinlage des Bienenstocks – ein einfaches und dennoch äußerst wichtiges Hilfsmittel für die schnelle Kontrolle des Zustands eines Bienenvolks. Viele Imker unterschätzen ihre Bedeutung und legen die Einlage nur während der Herbstbehandlung oder sogar erst nach der letzten Behandlung ein, um eine Probe des Wintergemülls zu entnehmen. Tatsächlich sollte die Bodeneinlage das ganze Jahr über im Bienenstock verbleiben.
Die Honigbiene Apis mellifera wird rechtlich als Nutztier betrachtet. Ein Bienenvolk, das aus vielen Tausenden Individuen besteht, kann als ein eigenständiger Organismus betrachtet werden – ähnlich einem Tier. Zur Überwachung der Verfassung und Gesundheit von Nutztieren werden unterschiedliche Hilfsmittel eingesetzt, wie Thermometer, Waage, Stethoskop oder Hygrometer. Auch im Imkereibetrieb finden solche Geräte Anwendung, z. B. eine Waage, um während der Tracht den täglichen Nektareintrag oder über den Winter den Vorratsverbrauch zu verfolgen. Im Winter kann das entspannende Summen der ruhenden Bienen mit einem Stethoskop abgehört werden. Für eine einfache und schnelle Kontrolle des Biens sollte der Imker jedoch noch ein weiteres hilfreiches Werkzeug verwenden: die Bodeneinlage. Sie sollte die gesamte Bodenfläche bedecken und nach Möglichkeit das ganze Jahr im Bienenstock verbleiben. Möchte man die Informationen über das Volk auch während seiner Aktivität nutzen, empfiehlt es sich, die Einlage mit einem doppelten Gitter auszustatten, damit die Bienen das Gemüll nicht entfernen können. Ähnliche Funktion haben Schiebebrettchen unter dem Lüftungsgitter von Wanderböden und sogenannte Varroaböden. Bei regelmäßiger Kontrolle kann der Imker durch die Gemülleinlage zum Beispiel die Stärke des überwinternden Volkes, das Auftreten von Krankheitserregern oder ungebetene Gäste sowie auch Weisellosigkeit vor der Überwinterung erkennen. Durch regelmäßige Kontrolle und Reinigung der Bodeneinlagen führt der Imker eine schnelle Revision seiner Völker an jedem Standort durch – oft fallen ihm dabei wichtige Details auf, die beim bloßen Blick von außen verborgen geblieben wären.
Die auf der Bodeneinlage gesammelten Rückstände nennen wir Gemüll. Es setzt sich überwiegend aus kleinen Wachsteilchen von Brut- und Vorratsdeckeln zusammen. Daneben finden sich Pollenkörnchen, Zuckerkristalle, Chitinteile von Beinentieren (z. B. Beine oder Antennen) und im Winter manchmal ganze tote Bienen, weiße Puppenreste, gelegentlich Stückchen von Propolis. Die Einlage ist ein wichtiges Instrument zur Gesundheitsüberwachung. Auf ihr lassen sich leicht die varroamilben Varroa destructor zählen, verkalkte Puppen der Kalkbrut, Wachsmottenlarven, Bücherläuse, Mäusekot u. v. m. Durchsichtige Schüppchen frisch gebauten Wachses findet man auf der Einlage zur Zeit des Wabenbaus.
Gesundheitskontrolle des Bienenvolks
Ein verantwortungsbewusster Imker sollte ganzjährig den Populationsverlauf der Varroamilbe Varroa destructor im Bienenvolk überwachen. Viele Imker unterschätzen jedoch das "Varroa-Monitoring" und nutzen Bodeneinlagen nur zur Herbstbehandlung oder erst zur Entnahme der Wintergemüllprobe. Dann ist es für befallene Völker oft schon zu spät – der Milbenabfall zählt dann hunderte bis tausende Milben, und das Volk ist zu stark geschädigt. Nach der Behandlung oder bei der Probenahme fallen die Milben wie Mohnsamen auf dem Brötchen auf die Einlage. Solche Situationen hätte man während der Honigernte verhindern können: Ein vermehrter Abfall zeigt eine drohende Varroainvasion an und eröffnet die Möglichkeit, rechtzeitig mit geeigneten und zugelassenen Präparaten einzugreifen und die langlebige Winterbienen-Generation, die sich im Sommer entwickelt, zu schützen. Damit das Varroa-Monitoring über Bodeneinlagen im Sommer aussagekräftig ist, muss man den Zugang der Bienen zu den Milben auf der Einlage verhindern. Entfernen die Bienen die Milben von ungeschützten Einlagen oder fressen Ameisen diese auf, werden die Zahlen verfälscht. Die endgültige „Zeugnisnote“ für Varroa-Monitoring und Behandlung geben im guten Fall die Ergebnisse der Gemülluntersuchung, im schlechten Fall erledigt das die Natur – durch das Absterben des Bienenvolkes.
Im Erstfrühjahr und Frühjahr findet man auf den Einlagen oft tote Bienen mit deutlich vergrößertem Hinterleib oder sogar Kotspuren. Ursache hierfür ist Nosematose. Sie führt zu Durchfällen und Tod der Biene im Stockinneren. Wird das Krankheitsbild durch rechtzeitige Kontrolle erkannt, kann der Imker das betroffene Volk entfernen und eine Ansteckung benachbarter Völker verhindern.
Ein weiteres Krankheitsbild, das sich anhand der Bodeneinlage feststellen lässt, ist Kalkbrut – verursacht durch den Pilz Ascosphaera apis. Ein eindeutiges Anzeichen sind auf der Einlage liegende mumifizierte Puppen, die wie weißliche Puffreisstückchen aussehen.
Kondition und Sauberkeit des Bienenvolks
Die Kondition und Stärke des Bienenvolks sollte ganzjährig im Blick behalten werden. Im Frühling und Sommer führt der Imker regelmäßige Völkerkontrollen durch, im Herbst und Winter beobachtet er die Bodeneinlagen. Die Anzahl, Länge und Intensität der Gemüllspuren (längliche Wachspfädchen unter den Gassen zwischen den Waben) zeigt die Stärke und Position der Wintertraube. Beim Bewerten anhand der Gemüllstreifen sollte der Imker die Temperaturen beim Herabfall des Gemülls berücksichtigen: Je tiefer die Temperaturen, desto fester wird die Traube und das Volk wirkt schwächer. Bei milder Witterung ist die Traube lockerer, das Volk erscheint stärker als tatsächlich vorhanden. Imker sagen: Ein starkes Volk besetzt auch im Winter den Großteil des Brutraums. Das zeigen auf der Einlage sechs bis sieben Gemüllstreifen. In warmgebauten Beuten sitzt die Wintertraube näher am Flugloch, daher beginnt der erste Streifen meist unter der zweiten oder dritten Gasse. Die mittleren Streifen sind am längsten und enthalten das meiste Gemüll, zum Flugloch und zur Rückwand werden sie kürzer (das Muster erinnert an ein Wespennest). Die mittleren Streifen enden ca. 5 cm vor den Beutenwänden – je nach Außentemperatur kann diese Distanz abweichen (bei starkem Frost ist die Traube kleiner). Das Auftreten von einigen Dutzend toter Bienen auf der Einlage ist normal. Auch in einem gesunden und starken Volk sterben im Winter etwa die Hälfte der Bienen auf natürliche Weise. In einem starken Volk überleben bis zum Frühjahr genügend Tiere, um mit den Herausforderungen der Überwinterung fertigzuwerden und als Grundlage einer guten Frühlingsentwicklung zu dienen.
Je weniger Spuren der Imker auf der Einlage findet, desto schwächer ist das Bienenvolk – und umso mehr Sorge und Arbeit wird das Volk dem Imker machen (falls es den Winter überlebt). Schwache Völker verbrauchen auf eine einzelne Biene gerechnet mehr Futtervorräte als starke. Weniger überwinternde Bienen bedeuten mehr Aktivität für jede einzelne Biene und damit auch schnellere Füllung deren Kotblase.
Wenn das Volk im Frühherbst die Königin verloren hat, zeigt sich das als Unordnung auf der Einlage. Es fehlt die ordnende Hand, und jede Biene macht, was sie will – öffnet Futtervorräte, wo es ihr einfällt, und räumt vor allem nicht auf. Überall auf der Einlage finden sich unterschiedlich große Wachsteilchen.
Vorräte
Reichen die Wachsspuren auf der Einlage bis zu den Beutenwänden, deutet das auf einen Mangel an Vorräten in der Nähe der Wintertraube hin – Futternot und im Extremfall Hungertod drohen. Die Lösung ist, Futterwaben dichter heranzurücken oder leere durch volle zu ersetzen. Stirbt ein Volk an Futtermangel, finden sich tote Bienen mit in die Zellen gestecktem Hinterleib sowie zernagte Bienenbrut auf der Einlage.
Zuckerkristalle in kleinen Mengen auf der Gemülleinlage zeugen von kräftiger Einfütterung im Herbst und sind unproblematisch. Liegt jedoch eine Schicht Kristalle auf der Einlage, deutet das auf Verarbeitung von schwer aufnehmbarem Melezitosehonig (Zementhonig) oder schlechtem Futterzucker hin. Hier hilft es wiederum, Waben auszutauschen. Zu Kristallisation in den Waben kommt es auch durch flüssige Industrie-Sirupe, die daher ungeeignet für die Winterfütterung sind.
Schwache Völker können nach der Einfütterung ausgeräubert werden. Auf der Einlage zeigt sich dann große Unordnung: viele tote Bienen nach dem Kampf, große Wachsteile und Deckelbruch durch Plünderung.
Ungebetene Gäste
Bienenvolk, Vorräte und Wabenwerk sind Nahrungsquellen für verschiedenste Tiere. Zerkaute tote Bienen auf der Einlage deuten auf besuchende Mäuse hin; weisen sie durchbissene Thoraxe auf, war eine Spitzmaus am Werk. Diese stören mit ihrem Lärm und ihrer Häufigkeit das überwinternde Volk – das kann zu übermäßigem Bienensterben durch Auflösung der Traube führen. In geschwächten und gestressten Völkern kann dann bereits eine leichte Infektion eine Krankheit wie Nosemose auslösen. Eintrittspforte der Nagetiere ist das Flugloch, das durch ein Gitter zu schützen ist.
Die Wachsmotte befällt schwache Völker, die nicht alle Waben ausreichend besetzen. Auf der Einlage zeigen sich dann schwarze Kotkrümel, Gespinstteile oder Puppenhüllen der Wachsmottenlarven, die in der wärmeren Jahreszeit (über 12°C) aktiv sind.
Als Winterquartier wählen verschiedene Käferarten (z. B. Speckkäfer), Spinnentiere (Spinnen, Bücherläuse) und andere Kleintiere den Bienenstock. Sind sie nicht massenhaft vertreten, schaden diese den Bienen nicht und verlassen den Stock meist im Frühjahr. Der aufmerksame Imker entdeckt sie zwischen Gemüll und toten Bienen.
Vorsicht aber, entdeckt man den Kleinen Beutenkäfer (Aethina tumida). Berichte über seine Verwüstungen kamen zunächst aus fernen Ländern, inzwischen hat er jedoch auch Süditalien erreicht. Daher ist Aufmerksamkeit geboten – beim Fund eines unbekannten Käfers ist Beratung einzuholen.
Mikroklima
Das Bienenvolk ist imstande, im Winter die Feuchtigkeit im Stock durch Luftzirkulation zu regulieren. Ein starkes, gesundes Volk hält den Stock sauber und trocken. Werden auf der Einlage oder in den Ecken Nässe und Schimmel gefunden, liegt das an mangelnder Lüftung – Abhilfe schafft ein größeres Flugloch und größere Gassen an den Beutenwänden.
Die Bodeneinlage ist ein praktischer Helfer. Was man auf ihr abliest, sollte in das Stockbuch eingetragen werden – das ist eine wertvolle Informationsquelle bei Problemen und hilft dem Imker bei der Auswahl ertragreicher Völker oder vorbeugender Maßnahmen.
Aus der Zeitschrift Imkerei
Ing. Jan Tyl, Labor VÚVč Dol





































































































































































































